Geschwister Scholl Gymnasium in Lebach (Foto: SR/Oliver Buchhholz)

Wie wird an Schulen erinnert?

Mit Informationen von Lisa Krauser; Onlinefassung: Laszlo Mura   27.01.2022 | 15:54 Uhr

Mehr als 76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es immer weniger Holocaust-Überlebende, die von ihren grausamen Erlebnissen erzählen können. Es ist aber sehr wichtig, dass gerade an Schulen an den Völkermord der Nationalsozialisten an über sechs Millionen Jüdinnen und Juden erinnert wird. Wie das in Lebach gemacht wird, hat SR 3-Reporterin Lisa Krauser herausgefunden. Sie hat mit Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und einer Holocaust-Überlebenden gesprochen.

Am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lebach gibt es die Schüler-AG "Erinnerungskultur". Zehnt- bis Zwölftklässler kommen regelmäßig zusammen, um die nächsten Projekte zu besprechen. Das neuste: eine Website mit dem Titel "Wachsam bleiben!". Dort stellen die Schülerinnen und Schüler eigene Texte online - in denen sie sich mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinandersetzen.

Erinnerung an den Holocaust
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 27.01.2022, Länge: 03:10 Min.]
Erinnerung an den Holocaust

Frühes politisches Bewusstsein

Gina Bellmann geht in die 12. Klasse und hat kürzlich einen Text über Widerstandskämpfer geschrieben. Gerade weil immer mehr Zeitzeugen sterben, findet sie es wichtig, sich zu engagieren und die "Erinnerungsarbeit zu leisten". Damit soll den jungen Generationen in Erinnerung gehalten werden, "was damals geschehen ist und wie man das in Zukunft verhindern kann".

Ihre Mitschülerin Melissa Pelk hat ganz konrekte Sorgen, dass sich die Geschichte wiederholen könnte: "Man sieht es ja weltweit, dieser Rechtsruck, der passiert. Und in Deutschland haben wir ja schon diese Erfahrung und eigentlich sollten wir es besser wissen." Ihre Sorgen werden durch "gewisse Parteien" geschürt, sagt sie: "Aber nur da zu sitzen und Angst haben bringt ja nichts, deswegen ist eine AG die, die Schüler von Anfang an warnt, so wichtig."

Besuche von Gedenkstätten

Die Schülerinnen und Schüler der Erinnerungs-AG am Geschwister-Scholl-Gymnasium sind froh, dass sie mit ihrem Engagement einen Beitrag leisten. Gegen das Vergessen. Wegen der Namensgeber der Schule kommen sie schon früh mit den Verbrechen der Nationalsozialisten in Berührung. Auch Fahrten zu Gedenkstätten sind Teil der Erinnerungsarbeit.

Für die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch ist frühe politische Bildung der Schlüssel, um Judenhass zu bekämpfen. Was Gedenkstätten-Besuche angeht, plädiert sie vor allem für einen Ort: "Der einzige Ort, wo man das mitbekommen kann, weil er wirklich im Urzustand ist, ist Auschwitz." Charlotte Knobloch ist dafür, das Thema Holocaust-Vergangenheit mit einem Besuch in Auschwitz zu verbinden.

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Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 27.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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