Franziska und ihr Labrador Moses (Foto: SR/Julia Becker)

Epilepsiehund Moses gibt Sicherheit

Julia Becker   25.01.2022 | 10:00 Uhr

Die 16-jährige Franziska leidet seit ihrer Kindheit an Epilepsie. Unbeaufsichtigt konnte sie so gut wie nie das Haus verlassen. Zu groß war die Sorge vor einem Anfall. Doch nun gibt es Moses. Der junge Labrador ist ein Epilepsiehund. Er kann Franziska rechtzeitig vor einem Anfall warnen - und gibt ihr so ein Stück Freiheit zurück.

Franziska ist 16. Jahre alt. Als sie fünf war, wurde bei ihr Epilepsie festgestellt. Seitdem sind sie und ihre Eltern ständig in Sorge, dass es zu einem Absence-Anfall kommen könnte. Bei diesen Anfällen kann die Wahrnehmung der Umwelt kurzzeitig aussetzen und die Anfälle können mehrmals am Tag auftreten.

Epilepsiehund Moses gibt Sicherheit
Audio [SR 3, Julia Becker, 25.01.2022, Länge: 05:30 Min.]
Epilepsiehund Moses gibt Sicherheit

Ein Schutz auf Schritt und Tritt

Ein normales Leben führen, sich einfach mit Freunden treffen - das war für Franziska lange Zeit kaum möglich. Doch dann kam Moses in ihr Leben. Moses ist ein zweieinhalb Jahre alter Labrador, der als Warn- und Assistenzhund ausgebildet wurde. Er begleitet heute Franziska auf Schritt und Tritt.

Für Franziska und ihre Familie ist Moses eine große Entlastung. Franziska kann nun auch wieder einfach mal rausgehen, denn ihr Hund passt auf sie auf.

Moses warnt Minuten vor einem Anfall

Bis es soweit war, war es jedoch ein weiter Weg. Zunächst musste ein passender Hund gefunden werden, denn nicht jeder Hund ist für diese Aufgabe geeignet. Moses riecht, wenn es Franziska schlecht geht. Er weiß viele Minuten vor den Menschen, dass es zu einer Absence kommen wird. Dann setzt er sich, blockiert, und Franziska kann nicht weiter. Und das ist gut so. Denn wenn Franzsika einen Absence-Anfall, hat merkt sie es selbst nicht. So kann es sein, dass sie ihre aktuelle Handlung weiter macht, ohne das Umfeld wahr zu nehmen. Auf einer Treppe oder im Straßenverkehr kann das fatale Folgen haben.

Ein langer, teurer Weg

Mit der Unterstützug von einer Hundeschule, die Assistenzhunde ausbildet, wurde Moses trainiert. Die Ausbildung hat die Familie rund 10.000 Euro gekostet. Assistenzhunde für Blinde werden bezahlt, Epilepsie- oder auch Diabetes-Warnhunde nicht, obwohl sie oft hilfreicher sind als jedes Medikament. Der Aufwand hat sich gelohnt - für Franziska und ihre Familie. Denn Moses bedeutet ein Stück Freiheit und Normalität. Heute trägt Moses eine Kenn-Decke mit der Aufschrift „Ich darf hier sein“.

Der Aufwand hat sich gelohnt - für Franziska und ihre Familie. Denn Moses bedeutet ein Stück Freiheit und Normalität.

Kein Zutritt für Assisenzhunde

Wenn Assistenzhunde nicht willkommen sind
Audio [SR 3, Julia Becker, 30.01.2022, Länge: 03:09 Min.]
Wenn Assistenzhunde nicht willkommen sind

Bis Moses Franziska auch in die Schule begleiten konnte, war es jedoch ein länger Weg. Fast zwei Monate hat die Familie beim zuständigen Ministerium darum gekämpft. Heute ist Moses der einzige Hund im Saarland, der mit in die Schule darf.

Vielerorts gilt nach wie vor ein Hunde-Verbot - auch für Assistenzhunde. Diese Erfahrung musste auch Franziska machen. In zwei Einkaufsmärkten im Saarland wurden die beiden nicht reingelassen. Einer hat sich inzwischen entschuldigt und seine Meinung geändert.

Auch eine Spezial-Klinik im Schwarzwald, in der Franzi behandelt worden ist, hat Moses nicht reingelassen. Dabei wäre das wichtig für Kind, Mutter und die Behandlung. Denn Moses weiß, wann ein Anfall naht und die Mediziner müssen diese Episoden miterleben, um etwa neue Erkenntnisse zu Franzis Medikation zu gewinnen.

Doch inzwischen tut sich was. Die Bundesregierung arbeitet an einem sogenannten Teilhabestärkungsgesetz.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 15.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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