Das Emmaüs-Team im "Le Rencard" in Forbach (Foto: Patrick Wiermer/SR)

Restaurant mit Sozialcharakter in Forbach

Patrick Wiermer / Onlinefassung: Axel Wagner   12.05.2019 | 12:30 Uhr

Viele Saarländer, die gerne mal über die Grenze fahren, kennen Emmaüs. An mittlerweile vier Standorten direkt an der Grenze kann man dort Antiquitäten und anderen Schnickschnack für wenig Geld und für den guten Zweck kaufen. Jetzt hat der Verein Emmaüs etwas Neues gewagt: ein Sozial-Restaurant mitten in Forbach. Das Prinzip: Reiche bezahlen dort mehr als Bedürftige.

„Je fais mon émincé“, sagt Köchin Leila Sassier. Émincé, das ist Geschnetzeltes. In einem großen Topf brutzeln Fleisch und Zwiebeln. Im Ofen backen drei große Quiches. Alles im Plan, sagt Sassier. „Heute gibt es Gemüsequiche und Curry-Geschnetzeltes.“

Restaurant mit Sozialcharakter in Forbach
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 12.05.2019, Länge: 03:06 Min.]
Restaurant mit Sozialcharakter in Forbach

Ein ganz normaler Alltag in einem nicht ganz so normalen Restaurant: „Le Rencard“, zu deutsch: Verabredung. „Das Restaurant ist offen für alle“, sagt Leiter Angelo Ancel, „egal welcher Herkunft oder Religion. Es gibt für das Essen einen Festpreis, aber für Bedürftige, die uns etwa soziale Einrichtungen schicken, gibt es auch einen Sonderpreis.“

Das Prinzip: Reiche bezahlen mehr, damit die Ärmeren günstiger oder sogar gratis speisen können. Konkret heißt das etwa, dass die, die sich reich fühlen, mehr Trinkgeld geben oder einem Bedürftigen gar ein komplettes Menü spendieren.

Wer kann, zahlt mehr

„Wir haben eine ‚Kasse der Solidarität‘“, sagt Ancel. „Damit können wir denjenigen ein Essen spendieren, die es nicht bezahlen können.“  Das Essen im „Rencard“ ist günstig. Ein Tagesessen kostet fünf, das Menü zwischen acht und zehn Euro. Und das Robin-Hood-Prinzip kommt bislang offenbar gut an. Von den 50 Plätzen im Restaurant sind im Schnitt immer mehr als Hälfte belegt. Und sehr viele seien bereit, auch mehr zu bezahlen, so Ancel. „Die Leute bezahlen mehr, nicht weil es für uns und die Angestellten ist, sondern weil es wirklich um die Solidarität geht.“

Damit ist die Solidarität vor allem für die Armen und Schwachen gemeint. Darum geht es der Organisation Emmaüs, die hinter dem Restaurant steckt. Sie betreibt unter anderem drei große Second-Hand-Geschäfte in Forbach und Stiring-Wendel. Die Projekte sollen auch helfen, Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Im „Rencard“ arbeiten insgesamt neun Personen.

Weg in den Arbeitsmarkt

„Wir haben Angestellte, die über eine Maßnahme der Arbeitsagentur gekommen sind“, sagt der Restaurantleiter. „Zwei von ihnen werden vermutlich bald fest angestellt werden können. Eine Angestellte macht ihren Freiwilligendienst, hinzu kommen Mitarbeiter, die Emmaüs aufgenommen hatte.“

Einige Angestellten wohnen mit ihren Familien mittlerweile auch über dem Restaurant. Emmaüs hat die oberen beiden Etagen als Sozialwohnungen angemietet. „Das ist Solidarität auf allen Ebenen“, betont Ancel.

Alte Tradition

Mit dem Restaurant wurde außerdem eine alte Tradition aufgegriffen. „Vor etwa 20 Jahren gab es die Idee für einen Ort, um sich auszutauschen. Erst ging es vor allem um das Thema Aids, danach wurde es einfach zum Treffen für einen Kaffeeklatsch. Diesen Ort gab es irgendwann nicht mehr, und jetzt haben wir dieses Restaurant.“

Doch es ist mehr als Restaurant, sagt Ancel. Es sei eine Art zu leben. Man müsse immer den Schwachen zuerst helfen. Die Köchin Leila Sassier sagt es so: „Wir bekommen hier auch vieles zurück. Es ist eine Leidenschaft, eine Berufung. Wir kommen einfach gern.“

Das Restaurant befindet sich ganz in der Nähe des Theaters „Le Carreau“ in der Innenstadt. Es ist von Montags bis Freitags immer um die Mittagszeit geöffnet.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Sonntag vom 12.05.2019 berichtet.

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