Suzanne Dowaliby  (Foto: SR)

"Ich glaube, wir haben alle gedacht: Das ist ein verrückter Film"

mit Informationen von Nadja Dominik   10.09.2021 | 12:40 Uhr

Der 11. September 2001. Besonders für Amerikaner ist dieses Datum bis heute ein Alptraum. Die Anschläge auf das World Trade Center sind jetzt 20 Jahre her. Sind die Wunden verheilt? SR-Reporterin Nadja Dominik hat sich mit der Amerikanerin Suzanne Dowaliby getroffen und mit ihr über den schicksalhaften Tag gesprochen.

"Ich glaube, wir haben alle gedacht: Das ist ein verrückter Film"
Audio [SR 3, Nadja Dominik, 10.09.2021, Länge: 02:47 Min.]
"Ich glaube, wir haben alle gedacht: Das ist ein verrückter Film"

Die Amerikanerin Suzanne lebt schon seit langem bei uns im Saarland. Als Musicaldarstellerin ist sie nach Europa gekommen, hat ihren saarländischen Mann kennen gelernt und ist geblieben.

Ihr eigentliche Heimat aber ist ihre Geburtsstadt New York City. Sie liebt diese Stadt. Verständlich, dass die Anschläge vom 11. September sie bis ins Mark erschüttert haben. Erst ein paar Wochen vorher hatte sie ihrem sechsjährigen Sohn die Twin Towers gezeigt und hat mit ihm die Aussicht genossen. Und dann kam die Katastrophe:

„Meinen Sohn hatte ich gerade zu seinem Gitarrenunterricht gebracht. Musste was bei einem Freund abholen. Und er hatte gerade gesagt: ‚Schau Mal! Schau Mal, was gerade in New York passiert ist‘. Und ich habe den ersten Flieger gesehen. Und als ich da war, ist der zweite Flieger in den zweiten Turm geflogen. Ich glaube, wir haben alle gedacht: Das ist ein verrückter Film.“

Jeder weiß irgendwie, wo er an dem Tag war, wie er die Anschläge erlebt hat. Auch Suzanne haben sich die Ereignisse ins Gedächtnis gebrannt:

„Ich weiß noch, in jedem Geschäft ist das Radio gelaufen und jeder war stumm und hat einfach zugehört.“

New York ist ein großes Dorf, sagt Suzanne. Jeder kennt irgendwen, der in den Türmen gearbeitet hat. Auch sie: Ihre Patentante ist ganz knapp den Anschlägen entkommen. Deren Chefin habe sie morgens noch angerufen und ihr gesagt, dass sie erst später zur Arbeit kommen müsse.

Die Patentante beobachtet die Ereignisse durch ihr Küchenfenster. Es habe ihr den Atem geraubt, erzählt sie später. Sie war in Sicherheit, doch ihr Mann, Suzannes Patenonkel, befindet sich in der Gefahrenzone. Erst am späten Abend gibt es Entwarnung:

„Er arbeite auch in der Nähe. Er war unterwegs. Er musste von der Südspitze von Manhatten nach Queens über die Brooklyn Bridge laufen. Das sind 20, 30 Kilometer. Der ist abends nach Hause gekommen. Sie sagte: 'Du glaubst gar nicht, ich war fertig.'“

Oft heißt es, die Anschläge hätten die Amerikaner in Herz und Seele getroffen. Doch was heißt das? Nie vorher hat uns jemand angegriffen, sagt Suzanne. Krieg, das kannten wir nicht. Und es kommen Fragen auf:

„Wer macht denn sowas? Und warum? Und ein bisschen Selbstreflexion ist gesund: Was haben wir gemacht, was können wir zukünftig machen, um solche Angriffe, um solche Missverständnisse zu vermeiden?“

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 10.09.2021.

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