E-Scooter-Verleih gibt es jetzt auch in Saarbrücken (Foto: SR 1 / Frank Falkenauer)

Durchwachsene Zwischenbilanz für E-Scooter

Stephan Deppen / Onlinefassung: Axel Wagner   31.08.2020 | 12:00 Uhr

Seit ein paar Monaten gehören die E-Scooter jetzt zum Saarbrücker Stadtbild. Bei den übrigen Verkehrsteilnehmern sorgen die Elektrotretroller und vor allem ihre Fahrer mit ihrem Verhalten für jede Menge Ärger. Im Juli war es nach Einschätzung der Stadt noch zu früh für ein Fazit. Jetzt sieht es schon etwas konkreter aus.

Durchwachsene Zwischenbilanz für E-Scooter
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 31.08.2020, Länge: 03:16 Min.]
Durchwachsene Zwischenbilanz für E-Scooter

Sie sind neu im Saarbrücker Straßenbild, und sie sind umstritten: die E-Scooter, also die Tretroller mit Elektroantrieb. Klar, die Jüngeren sehen die Roller eher positiv – wenn auch differenziert. Eine günstige Gelegenheit, um von A nach B zu kommen, höheres Unfallrisiko und Roller, die mitten im Weg stehen gelassen werden – das sind die Argumente.

Schwierige Rechtslage

Die nicht mehr ganz so Jungen beklagen das verkehrswidrige Verhalten vieler Nutzer, die auch auf Gehwegen und durch die Fußgängerzone düsen. Die Rechtslage ist eindeutig, aber auch kompliziert: Die E-Scooter müssen auf Straße oder Radweg gefahren werden, nicht auf Gehwegen und nicht in Fußgängerzonen.

Das Zusatzschild „Radfahrer frei“ gilt für die E-Scooter ausdrücklich nicht, betätigt der zuständige Saarbrücker Amtsleiter Christian Bersin. „Auch Fußwege müssen ausdrücklich für E-Scooter freigegeben werden. Es reicht nicht, wenn ein Fußweg für Fahrräder freigegeben ist.“

Nur sporadische Kontrollen

Bersin zieht nach gut zwei Monaten eine positive Bilanz für die Landeshauptstadt, sieht keine besonderen Anlaufschwierigkeiten. Alle Verkehrsteilnehmer müssten sich auf die neuen E-Scooter einstellen. Außerdem gebe es immer auch Menschen, die „schamlos Regeln brechen und sich nicht an das halten, was geboten ist“.

Für etwaige Verkehrsverstöße der Nutzer sei die Polizei zuständig, so Bersin. Kontrolliert werde aber nur sporadisch, weil für mehr nicht genug Personal da sei. Man könne zwar nie sicher sein, nicht doch „geschnappt“ zu werden, aber es wirke oft so, als könnten E-Scooter-Fahrer ungestraft Regeln brechen.

Das bestätigt ein Sprecher der Polizei: Verkehrsverstöße von E-Scooter-Nutzern würden nicht gesondert erfasst, eine spezielle Kontrolle, weil die Gefährte neu sind auf Saarbrücker Straßen, gebe es nicht.

Stadt und Anbieter sind zufrieden

Die Firma Tier, die rund 300 Elektro-Kleinstfahrzeuge im Stadtgebiet verteilt hat, ist bisher sehr zufrieden, wie die Dinge in Saarbrücken laufen, so Sprecher Haris Matkovic. „Die Saarbrücker nehmen die Scooter gerne an und sind auch ordentlich mit ihnen unterwegs.“ Die Firma weise die Nutzer auch via App auf Verkehrs- und Parkregeln hin.

Und in Anlehnung an Probleme in anderen Großstädten: Wie viele der türkisfarbenen Gefährte sind schon in der Saar versenkt worden? „Das ist eine niedrige einstellige Zahl“, sagt Matkovic.

Bald auch in der Fußgängerzone?

Etwas Entspannung im Verhältnis zwischen E-Scooter und Fußgänger könnte es bald geben, wenn die Fahrzeuge demnächst elektronisch von 20 km/h auf 6 km/h Schrittgeschwindigkeit eingebremst werden. Dann könnte bald auch die Bahnhofstraße für E-Scooter freigegeben werden, so die Stadtverwaltung.

Dass die E-Scooter kein Auto ersetzen, sondern dem ÖPNV Kunden wegnehmen, wie es eine nationale Studie ergeben hat, ändert nichts daran, dass die Dinger nun mal aus den Metropolen nicht mehr wegzudenken sind, so Saarbrückens Amtsleiter Bersin. „Wir versuchen einfach, das Beste daraus zu machen.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 31.08.2020 berichtet.

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