Eine 38-Jährige Merzigerin soll Minderjährigen Drogen verkauft haben. (Foto: Pixabay/stevepb)

Zahl der Drogentoten deutlich gestiegen

mit Informationen von Manuela Weichsel   18.10.2019 | 07:25 Uhr

Die Zahl der Drogentoten steigt. Es ist ein deutschlandweiter Trend, knapp 1300 Menschen sind letztes Jahr an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Aber besonders im Saarland steigen die Zahlen vergleichsweise rapide: Waren es 2014 noch neun Menschen, die an Drogenkonsum starben, gab es in diesem Jahr schon 30 Drogentote.

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Wieso gibt es so viele Drogentote im Saarland?
Audio [SR 3, Manuela Weichsel, 18.10.2019, Länge: 02:56 Min.]
Wieso gibt es so viele Drogentote im Saarland?

Nicht nur Heroin, sondern auch Kokain, Amphetamine, Cannabis, dazu noch Alkohol, Medikamente und weitere Drogen werden von vielen Drogenabhängigen konsumiert. Aber nicht einzeln, sondern oftmals vieles davon gleichzeitig. Das ist der vielleicht auch der ausschlaggebende Grund für die steigende Anzahl der Drogentoten.

Problematik "Mischkonsum"

Hintergrund
Mehr Drogentote im Land
Im Saarland ist die Zahl der Rauschgifttoten deutlich gestiegen. Starben 2017 26 Menschen durch Drogenmissbrauch, waren es 2018 insgesamt 35.

Bis zu 16 unterschiedliche Substanzen seien bei den Obduktionen von Drogentoten schon gefunden worden, heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Auch der Geschäftsführer des Drogenhilfezentrums in Saarbrücken, Peter Becker, beobachtet in den letzten Jahren eine Veränderung - weg vom alleinigen Heroin-Konsum hin zum Drogencocktail.

Dieser sogenannte Mischkonsum ist riskant, weil die Wechselwirkungen bei jedem Menschen – selbst bei identischem Konsum – anders verlaufen und damit unvorhersehbar sind.

Höheres Risiko für Überdosis

Auch der Reinheitsgrad der Drogen spielt eine Rolle. Der schwankt stark und ist heutzutage oft höher als früher. Höhere Reinheit – klingt positiv, heißt aber vor allem: stärkere Wirkung und damit ein größeres Risiko für eine Überdosierung.

Handel boomt im Darknet

Die illegalen Drogen im Saarland kommen vor allem aus den Niederlanden. Geändert habe sich der Beschaffungsweg, sagt Hauptkommissar Clemens Gergen vom Landespolizeipräsidium. Beschaffungsfahrten würden vermehrt abgelöst vom Postversand und Bestellungen im Darknet, wo die Geschäfte in Krypotwährungen (z. B. Bitcoin) abgewickelt würden.

Opfer aus allen Schichten

Viele Menschen seien der Meinung, Drogenabhängige würden aus der sozialen Unterschicht kommen, sagt Peter Becker vom Drogenhilfezentrum. Das aber sei ein Trugschluss. Vom Handwerker bis hin zum Unternehmer - Drogenabhängigkeit komme in allen sozialen Schichten vor, so Becker.

Hohes Durchschnittsalter der Drogentoten

Mischkonsum, leichte Zugänglichkeit und gefährlichere Substanzen sind bundesweit Ursachen für Drogenopfer. Warum im Saarland in den letzten Jahren die Zahl der Drogentoten prozentual so stark steigt, ist nicht ganz klar. Eine mögliche Ursache könnte sein, dass das Durchschnittsalter der Verstorbenen über dem Bundesdurchschnitt liegt. Und je höher das Alter ist, umso größer die Gefahr, an Drogen zu sterben.

Naloxonprojekt soll im Notfall helfen

Seit einigen Jahren läuft am Saarbrücker Drogenhilfezentrum ein Projekt, das akut bei einer Drogenüberdosis Todesfälle verhindern soll. Mit dem Nasenspray "Naloxon" sollen die häufigsten Todesursachen wie Atemstillstände verhindert und die Wirkung von Opiaten aufgehoben werden.

In Erste-Hilfe-Kursen sollen Drogenabhängige lernen, wie das Medikament eingesetzt wird und wie sie sich im Notfall gegenseitig helfen können. Problematisch dabei: Die meisten der 30 Drogentoten 2019 im Saarland wurden allein aufgefunden und hatten somit wohl keine Chance auf Hilfe.

Ein Thema in den Sendungen "Guten Morgen" und "Region" vom 18.10.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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