Tafel mit einem Pfeil und der Aufschrift "Blutspende". (Foto: dpa)

Corona-Antikörpertest beim Blutspenden?

Eva Lippold   20.07.2020 | 12:30 Uhr

Fast vier Monate nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland kennen wir die aktuelle Durchseuchung der Bevölkerung immer noch nicht. Der DRK-Blutspendedienst West wirbt nun dafür, Antikörpertests auf das Corona-Virus bei allen Blutspendern durchzuführen – um so mit geringem Aufwand eine breite und flächendeckende Testung durchführen zu können.

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DRK-Vorschlag: Corona-Antikörpertest beim Blutspenden
Audio [SR 3, Eva Lippold, 20.07.2020, Länge: 03:04 Min.]
DRK-Vorschlag: Corona-Antikörpertest beim Blutspenden

Mitte Juli startete im Saarland eine Corona-Antikörperstudie mit 2300 Probanden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat nun den Vorschlag ins Spiel gebracht, Corona-Antikörpertests bei den Blutspendern durchzuführen. Würde man alle Blutspenden des DRK im Saarland testen, wäre die Reichweite siebenmal größer als bei der Studie, sagt Daniel Beiser vom DRK-Blutspendedienst West.

Gesundheitsministerium: Blutspender nicht repräsentativ

Eine eigentlich naheliegende Idee. Blutspenden werden ohnehin schon auf viele Infektionskrankheiten getestet, warum nicht auch auf das Corona-Virus und die Antikörper? Das saarländische Gesundheitsministerium ist von der Idee nicht überzeugt. Blutspender repräsentierten nicht die Bevölkerung in ihrer Zusammensetzung und stellten damit keine repräsentative Stichprobe dar. Die im Land gestartete Antikörperstudie sei deshalb im Endeffekt aussagekräftiger.

Zu wenige Daten

Der Homburger Virologe Jürgen Rissland, der an der saarländischen Antikörperstudie beteiligt ist, sieht auch noch einen weiteren Nachteil an dem Blutspender-Ansatz. Es gebe keine ausführlichen Angaben zu einer möglichen Krankheitsgeschichte. Es würden bei der Blutspende einfach deutlich weniger Daten erfasst. Bei der saarländischen Antikörperstudie würden den Teilnehmern gezielte Fragen vorgelegt, die helfen, die Ergebnisse besser einzuordnen. Rissland räumt aber ein, dass eine so flächendeckende Testung wie bei Blutspenden mit kaum einem anderen Verfahren möglich sei.

Studien könnten sich ergänzen

Sein Fazit: Es spreche nicht wirklich etwas gegen den Vorschlag des DRK. "Ich glaube, dass sich die einzelnen Studientypen und Studienansätze, die es jetzt in Deutschland gibt, durchaus ergänzen."

DRK: Die Politik ist jetzt gefragt

Bisher gibt es bundesweit noch keine Initiative, Blutspenden routinemäßig und flächendeckend auf Covid 19 zu testen – anderswo wird das Verfahren bereits angewendet - so zum Beispiel in Italien, Niederlanden, Belgien sagt der DRK-Mann West. Allein wird das Deutsche Rote Kreuz jedoch keine Massentests auf Corona durchführen können. Die Politik müsse den Vorschlag aufzunehmen, so die Positon des DRK.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 20.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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