Foto: SR/Lisa Huth

"Man muss in dem Job unsichtbar bleiben"

mit Informationen von Lisa Huth   09.07.2019 | 10:23 Uhr

Zu einem Gerichtsprozess gehören ein Angeklagter, ein Kläger, Zeugen und natürlich ein Richter. Aber vor allem bei Prozessen mit Ausländern gibt es aber auch Menschen, die von Amts wegen unsichtbar sind: die Dolmetscher. Eine von ihnen ist Anna Stallmach.

Anna Stallmach hat ein Alleinstellungsmerkmal: Sie spricht Moldawisch, Russisch und Rumänisch. Darum wird sie von Gerichten im ganzen südwestdeutschen Raum angefordert, auch in Luxemburg. Sie hatte etwa beim Prozess gegen den LKW-Fahrer gedolmetscht, der vor drei Jahren den Radfahrer in der Saarbrücker Mainzer Straße überfahren und mitgeschleift hatte. Ihren Job muss sie "unsichtbar" erledigen, sagt sie.

Übersetzungen führen auch mal zu Gelächter

Und sie muss genau das übersetzen, was gesagt wird. Wobei das manchmal höchst merkwürdig wirkt. So gibt es auch heute noch im Russischen und Rumänischen die Höflichkeitsformel „Küss die Hand“ gegenüber weiblichen Respektspersonen. Das hat bei ihr selbst schon mal für Gelächjter im Gerichtssaal geführt: "Das ist zum Beispiel vor Gericht hier passiert, und da haben die ganzen Beteiligten gelacht. Auch in der JVA, und das von Leuten, die hochkriminell gesehen werden – da waren alle total überrascht, da musste ich erklären, dass er mir gegenüber Respekt erweisen wollte, weil er zufrieden mit meiner Arbeit war."

Schwierig wird es zum Beispiel beim Thema Gewalt an Frauen. In Rumänien oder Moldawien wird eine Ohrfeige nicht als Schlagen bezeichnet. Fragt der Richter dann, wurden Sie auch geschlagen, sagen die Frauen nein. Anna Stallmach darf aber jetzt nicht übersetzen „Ja.“, auch wenn die Frau definitiv geschlagen wurde.

Audio

"Man muss in dem Job unsichtbar bleiben"
[SR 3, (c) SR/Lisa Huth, 09.07.2019, Länge: 03:16 Min.]
"Man muss in dem Job unsichtbar bleiben"
SR-Reporterin Lisa Huth stellt Anna Stallmach und ihren Job vor.

Über dieses Thema wurde auch auf SR 3 Saarlandwelle in der "Region am Nachmittag" am 09.07.2019 berichtet.

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