Diversity Day: Geboren im falschen Körper

Geboren im falschen Körper

Audio [SR 3, Lisa Krauser , 26.05.2020, Länge: 03:28 Min.]

Lisa Krauser   26.05.2020 | 16:30 Uhr

Wenn Kinder auf die Welt kommen, ist sofort klar: Das ist ein Junge oder eben ein Mädchen. Einfach festzustellen. Aber es gibt Menschen, die im Laufe ihres Lebens merken: Da stimmt was nicht. Sie sind genetisch zwar eindeutig männlich oder weiblich sind, fühlen sich aber im falschen Geschlecht. Man spricht dann von Transidentität. So ist es Andreas ergangen, der früher Andrea hieß.

Schon als Kind spürt Andreas, dass bei ihm irgendwas nicht stimmt. Damals hieß er noch Andrea und war ein Mädchen. Richtig problematisch wird es für ihn, als die Pubertät einsetzt. Sein Körper wird immer weiblicher und er fühlt sich in ihm immer unwohler. Getreu dem Motto "Was nicht sein darf, das nicht sein kann" versucht er deshalb, der Rolle als Frau gerecht zu werden. "Man spielt quasi eine Theaterrolle", sagt er.

Er erfährt, dass es für das, was er empfindet, einen Namen gibt: Transidentität. Doch es fällt ihm sehr schwer, sich seine Transidentität einzugestehen, geschweige denn, seiner Umwelt davon zu erzählen. "Es ist ja das krasseste, was ein Mensch machen kann: sein Geschlecht ändern", sagt er.

Sexuell hingezogen fühlt sich Andreas zu beiden Geschlechtern. Mit Mitte 30 heiratet er - immer noch als Andrea - einen Mann. Die beiden hätten gerne ein Kind, doch obwohl biologisch alles in Ordnung ist, klappt es nicht. Und Andreas hadert immer mehr mit seinem Körper. Sein Mann rät ihm, sich Hilfe zu suchen.

Andreas nimmt Kontakt auf zur Transgender-Gruppe des Schwulen- und Lesbenverbandes in Saarbrücken. Und er geht zu einem Therapeuten. Der bestätigt ihm schon nach einer Sitzung, was Andreas eigentlich schon lange weiß: Er ist keine Frau, sondern ein Mann.

Aber was heißt das für seine Ehe? Sein Mann hat schließlich eine Frau geheiratet, ist heterosexuell. "Als ich nachhause kam, haben wir erst einmal beide geweint", sagt Andreas. Es sei für seinen Mann schon ein Schock gewesen, aber nach einiger Zeit sei klar gewesen: Sie wollen zusammenbleiben. "Wir haben uns ja nicht in das jeweilige Gechlechtsteil verliebt, sondern in den Menschen."

Heute ist Andreas 41 Jahre und immer noch mit seinem Mann verheiratet. Er hat eine Hormontherapie gemacht, sich operieren lassen und seinen Namen geändert. Und er ist dankbar, das der größte Teil seines Umfeldes sehr souverän mit der Veränderung umgeht. Menschen, denen es schwer fällt, mit seiner Transidentität umzugehen, macht er keinen Vorwurf. Er könne nicht von anderen erwarten, zu verstehen, was er selbst verrückt findet, sagt er. Was er aber erwartet sind Respekt und Toleranz.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 26.05.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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