Die Pflanzen dies Jahres 2021

Von Schafgarbe bis Schlafmohn

Katja Preißner   26.02.2021 | 10:10 Uhr

Es ist wie bei der Oscar-Verleihung: Jedes Frühjahr bekommen auch die Pflanzen einen roten Teppich und die große Bühne. Dann werden nämlich die Pflanzen des Jahres vorgestellt. 2021 sind es unter anderem die Schafgarbe, die Stechpalme, die Mauerflechte, der Meerrettich, die Myrrhe und der Schlafmohn. SR 3-Gartenexpertin stellt ihnen die Pflanzen vor.

Die Staude des Jahres: Schafgarbe

Schafgarbe (Foto: SR/Steffanie Balle)

Die Schafgarbe ist Wildstaude und gute alte Bekannte aus dem Bauerngarten. „Garbe“ kommt vom althochdeutschen „Garwe“ für “Heilung”, und wenn´s Schafen im Darm grummelt, fressen sie Schafgarbe. Auch Insekten kommen gern zu ihr.  Die Schafgarbe gibt es von ganz niedrig, zehn Zentimeter bis 80 Zentimeter hoch, in jeder Menge Farben, sie mag sandigen Boden, kann Trockenheit ab und wird am besten im Frühjahr, gepflanzt.

Der Baum des Jahres: Stechpalme

Stechpalme  (Foto: pixabay)

Die Stechpalme, auch Ilex genannt, kennt man eher als Strauch, ist aber ein Baum, immergrün und winterhart - mal mit panaschierten, mal mit dunkelgrünen Blättern. Die gezackten, stacheligen Blätter, dann noch die roten Beeren dazu, und schon hat man die klassischen Weihnachtsfarben. Deshalb wird an Weihnachten gern mit Ilex geschmückt.

Für die Christen symbolisiert Ilex die Dornenkrone Jesu, aus dem harten Holz waren Goethes Wanderstab und Harry Potters Zauberstab geschnitzt. Und mit den Zweigen der Stechpalme hat man früher den Schornstein geputzt.

Die Flechte des Jahres: Mauerflechte

Gewöhnliche Mauerflechte (Foto: SR)

Die gewöhnliche Mauerflechte macht sich gern auf Waschbeton breit, liebt aber auch jeden anderen Stein Hauptsache, sie finden die richtigen Algen - ihren Symbiosepartner. Die Briten sagen übrigens „Chewing Gum Lichen“, weil die Flechte aussieht wie Kaugummi-Placken auf dem Pflaster in Fußgängerzonen.

Die Mauerflechte hat zahlreiche Inhaltsstoffe, die man medizinisch nutzen könnte. Allerdings wächst sie nur sehr langsam - im Radius pro Jahr ein bis drei Millimeter. An der TU Berlin arbeitet man trotzdem dran, sie zu kultivieren. Und all das weiß jetzt vermutlich auch der Mann aus Oberbayern, der vor ein paar Jahren die Behörden informierte, weil er die grünweißen Flecken für Exkremente hielt, die aus undichten Flugzeugtoiletten gefallen waren.  Es war jedoch die gemeine Mauerflechte.

Heilpflanze des Jahres: Meerrettich

Meerrettichwurzel (Foto: dpa/Patrick Pleul)

Der Meerrettich wird vor allem in Bayern und Brandenburg angebaut. Nimmt man die Arbeitsstunden pro Hektar - das rechnet der Verein NHV Theophrastus vor - sind das bei Getreide 20, bei Kartoffeln 100 - und beim Meerrettich: 1500! Meerrettich braucht einen speziellen Boden mit bestimmten Nährstoffen und wird schräg eingepflanzt, sonst wird die Wurzel zu dick oder zu dünn. Die Bauern haben dafür sogar spezielle Pflanzmaschinen. Den Aufwand dankt der Meerrettich mit Senfölen in seiner Wurzel, mit antibiotischen Heilstoffe und Vitaminen. Er hat auch ne Menge Platz, die Wirkstoffe zu speichern, denn der Meerrettich ist deutlich größer als sein älterer Bruder, der Rettich. Und wahrscheinlich kommt der Name nicht von "Meer", sondern von "mehr, größer". Aber vielleicht stammt der Name ja auch von "Mähre", denn der Meerrettich wird schon lange als Haus- beziehungsweise Wiesenapotheke für Pferde genutzt.

Die Arzneipflanze des Jahres: Myrrhe

Myrrhe (Foto: pixabay)

Myrrhe ist das Harz des Myrrhebaumes - eigentlich ein dorniger, verholzter Strauch, der in Afrika und auf der arabischen Halbinsel wächst. Das Harz sieht getrocknet aus wie Rosinen. Der Name bedeutet allerdings: bitter. Der Myrrhebaum gehört zu den Balsambaumgewächsen. Myrrhe wurde schon früh in Salböl verwendet, wirkt aber auch antientzündlich, desinfizierend und antimikrobiell - vor allem bei Darmentzündungen.

Und um den Kreis zu schließen: sie ist mehrfach in der Bibel zu finden, auch im Hohelied der Liebe. Und in der griechischen Mythologie verwandelt sich die Mutter von Adonis bei der Geburt - in einen Myrrhebaum.

Die Giftpflanze des Jahres: Schlafmohn

Schlafmohnkapsel (Foto: pixabay)

Der Schlafmohn ist eine Pflanze, über die die Bundesopiumstelle wacht und von der in Deutschland nur drei Sorten landwirtschaftlich angebaut werden dürfen. Der Milchsaft in der Blütenkapsel enthält Morphium, und der getrocknete Milchsaft heißt Opium – ein Rauschmittel. Aber keine Sorge: In den Mohnsamen auf Mohnbrötchen und im Mohnstrudel ist davon kaum was. Die Samen sind so winzig und leicht, dass die Wissenschaft lange brauchte, um herauszufinden, wie alt Mohn ist, da sie so leicht von jüngeren Gesteinsschichten in ältere rutschen konnten. Inzwischen steht aber fest: Es gab ihn schon 5000 vor Christus, er gehört zu den ältesten europäischen Nutzpflanzen.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 26.02.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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