Die Königin der Saarbriefmarken

Ein ganzes Buch über die "20 Mark Sarre"-Briefmarke

Lena Schmidtke   30.07.2022 | 08:00 Uhr

Ein ganzes Buch nur einer Briefmarke widmen? Und dann auch noch über 100 Seiten? Das hat Briefmarkenexperte Axel Braun aus Waldmohr getan. Im Gespräch mit SR 3-Reporterin Lena Schmidtke verrät er die Geschichte der "20 Mark Sarre"-Briefmarke, von der es nur 15 Exemplare gibt.

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort "Briefmarke" hören? Wahrscheinlich eher selten an Beträge von mehreren zehntausend Euro. Aber genau das zahlen Sammler schon mal für eine seltenes Exemplar. Aber das kleine Stücken Papier kann noch mehr: ganze Bücher füllen. Und das hat Axel Braun bewiesen, der 104 Seiten der "20 Mark Sarre" gewidmet hat.

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Briefmarkenprüfer: "es gibt nur zwei gestempelte Marken"
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 30.07.2022, Länge: 03:06 Min.]
Briefmarkenprüfer: "es gibt nur zwei gestempelte Marken"

Optisch ein Renner

Briefmarken sind nicht nur Postwertzeichen. Sie können auch ein Stück Geschichte sein. So zum Beispiel die saarländische "20 Mark Sarre" Briefmarke von 1920. Auf ihr zu sehen: der bayrische König Ludwig III im Profil, mit Kranz drumherum.

Sammlerliebling

"Ich finde sie herrlich", sagt Axel Braun - und damit ist er nicht allein. Für diese Briefmarke überbieten sich die Sammler. 2005 hat ein US-Amerikaner sogar über 800.000 Euro für ein Exemplar gezahlt. Und das ist keine Seltenheit. Schließlich gibt es von der Briefmarke nur 15 Stück. Besonders wertvoll: Die zwei gestempelten Exemplare.

Ein Buch wert

Wie bei allem, was hohen Wert hat, gibt es aber auch Fälschungen. Deshalb hat Axel Braun auch das Buch geschrieben. 104 Seiten zu einer einzelnen Briefmarke. Er stellt jedes der 15 Exemplare detailliert vor. Mit dabei: Atteste und viele Bilder. Und die Texte sind nicht nur auf Deutsch. Alles ist auch auf Französisch und Englisch übersetzt. Schließlich sind die Briefmarken mittlerweile in der ganzen Welt verteilt.

Lange und kurze Wege

Für eine Reise waren die Briefmarken eigentlich ja auch mal gedacht. Und zwei davon haben es tatsächlich auch geschafft, ein wenig von der Welt zu sehen. Deshalb sind sie auch gestempelt. Eine davon sei auf einem Brief von St. Ingbert nach Homburg geschickt worden, sagt Braun. Wer sich jetzt aber über die 20 Mark Preise wundert: Das war damals ganz normal. Die Inflation hatte nach dem Ersten Weltkrieg alles im Griff.

Ein Stück Geschichte

Aber der kleine Punkt Geschichte ist nicht alles, was diese König-Ludwig-Briefmarke zu bieten hat, denn eigentlich sei sie nur als Provisorium gedacht gewesen, sagt Braun. Da das Saarland nach dem Ersten Weltkrieg zu Frankreich gehörte, habe man sich damals entschieden, französische Briefmarken heraus zu bringen. Da der Neudruck der Marken jedoch eine aufwändige Sache ist, sei einfach beschlossen worden, die Altbestände vom deutschen Reich zu nehmen und mit "Sarre" zu überdrucken. Die Aufschrift "Bayern" auf diesen 20 Mark Briefmarken wurde einfach durchgestrichen. Die "Bayern"-Briefmarken waren wohl im Gebiet Waldmohr-Blieskastel übrig geblieben. Immerhin wurden die Kreise Kusel, Waldmohr und Blieskastel im Wiener Kongress 1815 dem Königreich Bayern zugesprochen worden, während Preußen fast den ganzen Rest des Saargebietes beanspruchte. Diese Zuordnung blieb bis 1918 trotz Kaiserreich bestehen.

Also ist es kein Wunder, dass es wenige Saarbriefmarken aus dieser Zeit gibt. 5 Mark und 10 Mark Briefmarken gab es mehrere Tausende Exemplare, nur bei der 20 Mark Briefmarke hatte es wohl Lieferschwierigkeiten gegeben. Deshalb gab es davon nur 16 Exemplare, wobei eine während des Zweiten Weltkriegs zerstört worden ist.

Ein besonderes Detail

Aber auf einem Briefmarkenbogen sind ja 20 Marken. Vier davon sind wohl vor dem Überdruck und noch als Original Bayern-Marken in den Besitz eines Sammlers gewandert. Damit bleiben eben 16. Und diese 16 Marken habe ein Postbote zerknüllt und in den Papierkorb geworfen, erzählt Braun. Ein anderer Postbote habe das gesehen, sie wieder rausgefischt und geglättet. Deshalb hätten die Marken noch einige Knitter.


Infos zum Buch

Axel Braun Die Königin der Saarbriefmarke (Foto: Geistkirch Verlag)

Axel Braun
Die „Königin“ der Saarbriefmarken - 100 Jahre der legendären 20 Mark SARRE

Geistkirch Verlag
19,80 Euro Hardcover mit Lesebändchen
Seitenzahl 104
ISBN 978-3-949983-01-6


Ein Thema aus der "Region am Nachmittag" am 29.07.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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