Erinnerungskoffer für Demenzkranke (Foto: Lisa Krauser (SR))

Erinnerungskoffer für Demenzkranke

Projekt des saarländischen Museumverbandes und der Landesfachstelle Demenz

Mit Informationen von Lisa Krauser   26.06.2022 | 12:45 Uhr

Wie sich das anfühlt, wenn man immer mehr vergisst - das weiß fast jeder zehnte Mensch im Saarland, der über 65 Jahre alt ist. Demenz ist eine Krankheit, die viele betrifft. Umso wichtiger Hilfsangebote - für die Betroffenen selbst, aber auch für die Angehörigen. Für ein ganz besonderes Projekt hat sich der saarländische Museumsverband mit der Landesfachstelle Demenz zusammengetan: der "Erinnerungskoffer".

Der Erinnerungskoffer für Demenzkranke - das ist ein Koffer mit original Museumsexponaten aus früheren Zeiten der heute Betroffenen. Es gibt zum Beispiel einen Koffer mit Bergmannsgegenständen oder einen zum Thema "Kindheit und Schule".

Erinnerungskoffer für Demenzkranke
Audio [SR 3, Lisa Krauser (c) SR, 26.06.2022, Länge: 03:12 Min.]
Erinnerungskoffer für Demenzkranke

Stationäre Einrichtungen und Tagespflegeeinrichtungen für Menschen mit Demenz können die Koffer ausleihen - und so Erinnerungen bei Menschen mit Demenz wachrufen.

Erinnerungen wach halten

Sabine Geith vom Saarländischen Museumsverband hat einen Koffer in die Villa Kaiser, eine Tagespflege für demenz-kranke Menschen, mitgebracht. Es ist ein Säuglingspflegekoffer unter anderem mit zwei Babypuppen und Textilien aus dem Museum für Mode und Tracht in Nohfelden, wie zum Beispiel Mullwindeln oder gestrickten Stramplern.

All das soll die betroffenen Frauen anregen, sich zu erinnern und ins Gespräch zu kommen. Die Puppen haben sofort die volle Aufmerksamkeit der Seniorinnen: Sie halten sie liebevoll im Arm - wie echte Babys - reden ihnen gut zu, hätscheln und täscheln sie. Eine ältere Dame wickelt eines der Babys - mit alten Stoffwindeln und mit Kaufmanns Kindercreme. So wie früher.

Vergangenheit zum Anfassen

Der Erinnerungskoffer funktioniert unter anderem so gut, weil die Betroffenen die Gegenstände mit allen Sinnen entdecken können. So kommen alte Erinnerungen eher wieder hoch. Und die Frauen haben sichtlich Spaß mit dem Inhalt des Koffers.

Und die Freude daran halte oft noch einige Stunden an, sagt Pflegedienstleiterin Christine Lambert. Und durch das Erinnern könne man die geistigen Funktionen wieder anregen und das Gehirn trainieren, sagt sie. Und es sei natürlich auch ein Erfolgserlebnis für die Betroffenen, wenn sie sich wieder an ihre Vergangenheit erinnern können.

Weitere Modelle in Planung

Für Sabine Geith vom Saarländischen Museumsverband ist es immer wieder schön zu sehen, wie gut der Erinnerungskoffer ankommt. Es werden schon weitere Koffer geplant. Zum Beispiel ein 60er-Jahre-Koffer mit Prilblumen, einem Telefon mit Wählscheibe, oder auch speziellen Haushaltsgeräten aus dieser Zeit.


Mehr Informationen

Die Erinnerungskoffer können bei der Landesfachstelle Demenz Saarland und beim Saarländischen Museumsverband kostenfrei ausgeliehen werden und in Tagespflegen, Tagesbetreuungen und stationären Pflegeeinrichtungen in der Betreuungsarbeit eingesetzt werden.


Ein Thema in der "Region am Mittag" am 24.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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