Symbolbild: Ein Pfleger im Alten-und Pflegeheim hält die Hand einer Bewohnerin (Foto: dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Das Recht auf Selbsttötung

Interview: Simin Sadeghi   22.10.2020 | 16:30 Uhr

Anfang des Jahres hat das Bundeverfassungsgericht entschieden, dass jeder und jede das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben hat und dass dazu auch ein selbstbestimmter Tod gehört. Erlaubt ist auch, Hilfe von Dritten in Anspruch zu nehmen. Damit haben die Richter einen Beschluss des Bundestages aufgehoben, wonach organisierte Sterbehilfe verboten war. Eine Neuregelung steht noch aus. Zuzeit befasst sich der Ethikrat mit dem Thema. Dazu im SR-Interview: Prof. Sven Gottschling, Leiter des Zentrum für Palliativmedizin an der Uni Klinik Homburg.

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Palliativmediziner Gottschling: "Es ist bei den meisten die Angst, vor dem was da noch kommt"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 22.10.2020, Länge: 04:45 Min.]
Palliativmediziner Gottschling: "Es ist bei den meisten die Angst, vor dem was da noch kommt"

Frage nach Sterbehilfe - meist ein Ausdruck von Angst

"Wir erleben es relativ häufig, dass die Frage an uns herangetragen wird, ob wir Menschen auch helfen würden zu sterben, wenn sie nicht mehr möchten", sagt der Leiter des Palliativzentrums an der Homburger Uniklink, Sven Gottschling. Diese Frage sei aber meist eher Ausdruck von Angst vor dem, was da noch kommt. "Dieser Sterbewunsch verschwindet bei den allermeisten unserer Paliativpatienten, wenn sie merken, dass wir ihnen wirksam ihre Schmerzen lindern können und wenn sie merken: Wir lassen sie in ihrer Not nicht alleine."

Die Befürchtungen des Paliativmediziners

Gottschling sieht das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes kritisch. Es gebe keine Eingrenzung und viele Fragen seien noch ungeklärt.

Zudem befürchtet er, dass durch dieses Urteil ein Druck besonders für alte Menschen entsteht. "Wir erleben es sehr, sehr oft, dass dieser Sterbewunsch von hoch betagten Menschen geäußert wird, die auch eine gewisse, zunehmende Hilfsbedürftigkeit haben und wenn man dann nachfragt, warum sie sterben wollen, dann sagen die allermeisten: Ich möchte meiner Familie, meinem Umfeld nicht zur Last fallen."

Er habe das Horrorszenario, dass man sich irgendwann als älterer und hilfsbedürftiger Mensch sich dafür rechtfertigen oder sogar entschuldigen muss, dass man weiter leben möchte, sagt Gottschling. Genau dieser Trend sei in den Nachbarländern zu beobachten, in denen Sterbehilfe liberaler gehandhabt wird als bisher bei uns.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 22.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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