Ein Arm und eine Spritze mit dem Coronaimpfstoff  (Foto: picture alliance/dpa/AFP POOL/AP | Thomas Samson)

Die Impfstrategie des Landes

Das Jahr - die Meinung

Steffani Balle   15.12.2021 | 09:45 Uhr

Wir im Saarland sind spitze beim Impfen! Das betont die Landesregierung, allen voran Gesundheitsministerin Monika Bachmann immer wieder gern. Beim Boostern liegen wir deutschlandweit sogar an erster Stelle, die schon ihren dritten Piks bekommen haben. Aber auf dem Weg dahin lagen manche Stolpersteine – und manch selbst hoch gezogene Hürden.

Noch vor allen anderen Bundesländern, noch vor der STIKO-Empfehlung schickte Gesundheitsministerin Monika Bachmann die mobilen Teams zum Boostern in die Altenheime. Das war im September.

"Das Jahr - die Meinung": Die Impfstrategie des Landes
Audio [SR 3, Steffani Balle, 15.12.2021, Länge: 02:49 Min.]
"Das Jahr - die Meinung": Die Impfstrategie des Landes

Vermutlich diesem Umstand ist zu verdanken, dass es seither zumindest keine größeren Ausbrüche in den Einrichtungen mehr gegeben hat - obwohl nur rund die Hälfte aller Berechtigten das Angebot der Auffrisch-Impfung durch die mobilen Teams des Landes wahrgenommen hat.

Da wurde von Impf-Skepsis, vom Irrglauben berichtet, zwei Impfungen reichten völlig aus. Bis das Ministerium klarstellte: Auch die betreuenden Hausärzte haben in den Heimen geimpft.

Den Löwenanteil an den Impfungen leisten die Hausärzte

Ach ja: Die Hausärzte! Würden sie nicht selbst regelmäßig darauf aufmerksam machen, bekäme niemand mit: Den Löwenanteil an den Impfungen leisten sie! Allein in der vorigen Woche fast 80.000 der insgesamt knapp 100.000. Und das noch deutlich preiswerter als die Zentren, wo Mitarbeitende, Infrastruktur, Räume und Verkabelung alle erst noch aufgebaut, angeworben und extra bezahlt werden müssen. Und die – das beklagen die Niedergelassenen ganz besonders – auch noch den beliebten Biontech-Impfstoff bekommen, der den Ärzten in den Praxen fehlt.

Impfzentren zu, Impfzentren auf

Dann wurden die Impfzentren erst geschlossen, um dann kurz darauf die Wiederöffnung zu verkünden, die dann bitte die Landkreise ruckzuck umzusetzen haben. Ein Kraftakt, den Saarlouis, Neunkirchen und Merzig- Wadern in Rekordzeit gemeistert haben. Die Booster-Willigen und tatsächlich auch Neu-Impflinge reißen sich um die Termine. Noch!

Bürokratiehürden für die Ärzteschaft

Da ist vieles Wahlkampf, kommt es aus der Ärzteschaft. „Wir könnten das auch alleine“ - hätte die Politik sie nicht ausgebremst, mit immer neuen Bürokratie-Hürden und immer wieder Einschränkungen bei den Impfstoff-Lieferungen.

Auch die Ausweitung der Impf-Stellen auf Krankenhäuser und demnächst Apotheken und Tierarzt-Praxen hilft den derzeit impfenden Niedergelassenen nicht wirklich: Denen fehlt es nicht an Kapazitäten, sondern an zuverlässiger Belieferung mit der Impfstoff-Menge, die sie bestellt haben.

Aber Wahlkampf ist im Saarland eben noch bis März. Bis dahin müssen die Impfzentren und mobilen Teams alle noch durchhalten. Koste es, was es wolle.

Die Meinung von Steffani Balle


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Das Jahr, die Meinung
2021 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Die SR 3-Reporterinnen und -Reporter schauen auf dieses Jahr im Saarland zurück und ziehen Bilanz. Was lief gut? Was hätte besser sein können? Alle Beiträge auf einen Blick.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 14.12.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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