Das Kirchenmobil im Ahrtal (Foto: Oliver Buchholz)

Flutkatastrophe im Ahrtal: Gelebte Solidarität

Das Jahr - die Meinung

Oliver Buchholz   17.12.2021 | 17:00 Uhr

Leben vieler Menschen auf den Kopf: Häuser wurden zerstört, 180 Menschen kommen ums Leben. Ganze Dörfer sind tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Straßen werden weggespült, Strom-, Wasser- und Gasversorgung brechen zusammen. 14.000 Einsatzkräfte eilten zur Hilfe. Etwa 3000 davon aus dem Saarland, einer davon unser Kollege Oliver Buchholz.

Viele haben mich gefragt: Wie war's im Ahrtal als Helfer? "Schrecklicher Anlass, aber schöne Erfahrung", habe ich dann meistens gesagt. Und das meine ich auch so: So eine Solidarität bei den Helfern vor Ort, so eine gute Zusammenarbeit zwischen Hilfsorganisationen und auch mit privaten Helferinnen und Helfern habe ich selten erlebt.

Das hat zusammengeschweißt

"Das Jahr - die Meinung": Flutkatastrophe im Ahrtal - Gelebte Solidarität
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 17.12.2021, Länge: 03:24 Min.]
"Das Jahr - die Meinung": Flutkatastrophe im Ahrtal - Gelebte Solidarität

Alle hatten das eine große Ziel vor Augen: Den Menschen, die von der Flut betroffen sind, zu helfen und möglichst schnell Straßen wieder befahrbar zu machen, Anwohner mit Lebensmitteln, sauberem Trinkwasser und dem Nötigsten zu versorgen. Ja, auch Leichen zu bergen und Angehörige zu trösten: Das hat zusammengeschweißt.

Wo bei Übungen und wenn‘s ums Geld geht das ganze Jahr hindurch jeder nur für seine Organisation kämpft und sie als die beste verteidigt, herrschte plötzlich Einklang. Vor Ort war es völlig egal, ob man eine blaue THW-Uniform, eine graue DRK-Hose oder eine rote Malteser-Jacke trug. Und das machte einfach Spaß, so traurig der Anlass auch war.

Jeder hat sein Bestes getan

Ein Schicksal schlimmer als das andere, die Not war groß und es gab kaum ein anderes Gesprächsthema: Gestandene Einsatzkräfte zum Beispiel von der Feuerwehr erzählten unter Tränen von Leichenfunden -etwa beim Auspumpen einer Tiefgarage. Andere berichteten von der unendlichen Dankbarkeit, die sie von Anwohnern erfahren haben. Jeder hat sein bestes vor Ort getan und das oft bis zur völligen Erschöpfung.

Koordinationsprobleme

Soweit das riesige Engagement der vielen Rettungskräfte und der Privatleute, die ihre Freizeit dort hingebungsvoll geopfert haben. Auf der anderen Seite, nämlich bei den hauptamtlichen Katastrophenschützern lief es weniger rund.

Saarländische Einsatzkräfte, die vom Innenministerium alarmiert wurden, saßen Tage lang auf gepackten Taschen, niemand konnte ihnen sagen wann und wohin es zum Einsatz gehen sollte. In der großen Helferzentrale am Nürburgring hockten teilweise tausende Helfer herum, weil es viel zu lange dauerte, einen Überblick und die konkreten Bedürfnisse vor Ort zu koordinieren. Das verbreitete noch vor Einsatzbeginn Frust.

Was bleibt...

Unter Strich bleiben einprägsame Erlebnisse in einem akuten Katastropheneinsatz und die Dankbarkeit, dass so viele Menschen bereit sind, ehrenamtlich im Katastrophenfall zu helfen. Auf der anderen Seite hat die Flut an der Ahr und in der Eifel aufgezeigt, dass man nicht alles nur ehrenamtlich stemmen kann. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen das erkannt haben.

Die Meinung von Oliver Buchholz


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Das Jahr, die Meinung
2021 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Die SR 3-Reporterinnen und -Reporter schauen auf dieses Jahr im Saarland zurück und ziehen Bilanz. Was lief gut? Was hätte besser sein können? Alle Beiträge auf einen Blick.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 14.12.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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