Tierheim Niederlinxweiler (Foto: SR/Felix Schneider)

Coronaopfer Haustier

Felix Schneider   07.09.2021 | 10:00 Uhr

Die Tierheime im Saarland haben es meistens nicht leicht: finanziell und personell schwach aufgestellt, immer alle Hände voll zu tun. In der Coronapandemie hat sich das Problem nochmal verschärft. SR-Reporter Felix Schneider hat sich mal nach der aktuellen Situation im Tierheim Niederlinxweiler erkundigt.

Es ist ziemlich voll derzeit im Tierheim Linxbachhof bei St. Wendel. Fast 30 Hunde, mehr als 80 Katzen und zahlreiche Kleintiere tummeln sich in den Zwingern und Gehegen.

Video [aktueller bericht, 08.09.2021, Länge: 3:11 Min.]
Tierheim ist nach dem Lockdown übervoll

Mehr Tiere

Die Coronapandemie und die Folgen für den Tierschutz
Audio [SR 3, Felix Schneider, 07.09.2021, Länge: 01:36 Min.]
Die Coronapandemie und die Folgen für den Tierschutz
Die Situation im Tierheim Niederlinxweiler.

Das Heim, umringt von Feldern und grünen Wiesen, ist stark ausgelastet: Es gab viele Fundtiere und Privatabgaben in der letzten Zeit - besonders Katzen, sagt Andrea Bonnstaedter, die Leiterin des Tierheims. Sie führt dies darauf zurück, dass viele, die sich in der Corona-Zeit ein Haustier angeschafft haben - weil sie allein waren oder endlich mal Zeit hatten - mit der Rückkehr ins normale Leben dann feststellen mussten, dass das Leben mit einem Haustier dann ganz anders aussieht.

Mehr noch machen dem Heim aber die vom Veterinäramt zugeteilten Tiere aus unkontrollierten Vermehrungen zu schaffen, den sogenannten Animal Hoardings.

Weniger Spenden

Hinzu komme, dass durch die vielen Schließungen während der Corona-Lockdowns auch die Geldspenden eingebrochen seien. Viele Spendenboxen in den Geschäften blieben leer. "Da war schon ein massiver Einbruch", sagt Andrea Bonnstaedter.

Nach Angaben des saarländischem Tierschutzbundes bessert sich die Situation in den Heimen nun nach und nach wieder. In Niederlinxweiler können inzwischen viele Animal-Hoarding-Fälle nach kostenintensiver Behandlung vermittelt werden. Doch was der Corona-Herbst bringt, weiß in Niederlinxweiler noch keiner.


Der Fall des jungen Husky Ace


Huskie (Foto: SR/Felix Schneider)

Tiere – für viele waren sie Wegbegleiter durch eine einsame Zeit in der Pandemie. Während des Lockdowns waren Hunde, Katzen oder Hasen sehr gefragt – besonders die Welpen. Nun kehrt langsam wieder Normalität im Leben ein, das neue Familienmitglied wird zum Klotz am Bein und muss wieder weg. Ein Schicksal, dass auch der junge Ace erfahren hat. Er sitzt zurzeit im Tierheim Linxbachhof.

Wenn Hundetrainerin Meike Schwarzweller zu ihm kommt, hüpft Ace durch seinen geräumigen Doppelzwinger, denn das heißt für den jungen Husky: Es ist Zeit für sein Training.

Die Geschichte des jungen Ace

Seit vier Monaten ist der Husky schon im Tierheim Linxbachhof bei St. Wendel. Ace ist ein echtes Opfer der Pandemie: Als Welpe im Lockdown von einer Familie angeschafft, wurde er nach einigen Monaten im Heim abgegeben.

Der Fall des jungen Husky Ace
Audio [SR 3, Felix Schneider, 07.09.2021, Länge: 02:40 Min.]
Der Fall des jungen Husky Ace

„Er wurde quasi für die Kinder angeschafft - ein kleiner plüschiger Husky. Dann wurde er zu groß, wohl auch zu wild und hat dann angeblich nur noch im Garten gelebt. Das erste halbe Jahr mit den Kindern zusammen im Haus und das nächste halbe Jahr dann im Garten - dementsprechend verhält er sich dann auch“, beschreibt Hundetrainerin Meike Nadine Schwarzweller die Geschichte des jungen Ace.

Ein Opfer falscher Haltung

Ace startete im Tierheim bei Null: Er war nie in einer Hundeschule, hatte kein Training und kaum Kontakt mit Artgenossen. Er ist ein ängstlicher und unsicherer Hund. An seinem Fell sieht man noch die Überbleibsel einer offensichtlich falschen Ernährung: Sein Fell ähnelt eher dem eines Schafes als dem eines Huskys.

Tierärztekammer fordert Erlaubnisvorbehalt und Hundeschulpflicht

Die falsche Haltung könne aber nicht nur für das Tier gefährlich werden, sagt Dr. Arnold Ludes, Präsident der saarländischen Tierärztekammer. „Es sind sehr viele – darüber sind wir besorgt – die haben eine völlige Unkenntnis, was die Bedürfnisse der Tiere angeht", sagt er. Hinzu komme, dass während des Lockdowns die Hundeschulen geschlossen waren und es somit kaum fachkundige Anleitung gegeben habe. Und daraus könne sich durchaus auch eine Gefahr für den Halter ergeben.

Seine Forderung daher: Ein Erlaubnisvorbehalt für die Anschaffung von Heimtieren oder zumindest eine Hundeschulpflicht.

Für Ace sieht es jetzt ganz gut aus

Für den jungen Husky Ace gibt es inzwischen einen Lichtblick. Nach vier Monaten im Heim und durch viel Training ist er nun bereit für eine neue Familie. Studentin Anika interessiert sich für ihn. Seit mehr als einem Jahr hilft sie mit ihrem Freund ehrenamtlich im Heim aus. „Wir werden uns das ein paar Monate anschauen und wenn er nicht vermittelt wird, dann schauen wir, ob eine Möglichkeit besteht, wenn das Studium vorbei ist.“

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 07.09.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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