Die Corona Warn-App auf einem Smartphone (Foto: SR/Marvin Brandt)

Was kann die Corona-App wirklich? Wie effektiv ist sie?

Gespräch: Michael Friemel/Patrick Bellmer

Onlinefassung: Jessica Sproß   21.10.2020 | 08:30 Uhr

Seit dem Sommer gibt es die Corona-App fürs Handy. Lange war sie nicht so sehr im Blickpunkt, weil die Zahlen wieder runtergingen - aber jetzt ist Corona wieder voll da, also wird auch die App wieder heiß diskutiert, außerdem wird sie ständig nachjustiert. Wir haben mit einem Experten draufgeschaut.

Seit gut vier Monaten gibt es die deutsche App mittlerweile. Gut läuft laut Patrick Bellmer von der c´t, dem Magazin für Computertechnik, dass man die anfänglichen Fehler, sprich Anzeigefehler, relativ schnell beseitigt habe. Eine Schwachstelle sei, dass die Integration ausländischer Apps zu spät gekommen sei - erst nach der Urlaubssaison.

Wie funktioniert die App?

Die Corona-Warn-App registriert via Bluetooth-Technologie, wie lange sich Mobiltelefone wie nahe kommen. Wird jemand positiv getestet und trägt dieses Testergebnis in der App ein, werden Kontaktpersonen benachrichtigt und deren Infektionsrisiko berechnet, abhängig von Abstand und Dauer der Begegnung. Bei einem erhöhten Risiko leuchtet die Anzeige auf dem Handy rot.

Gespräch mit Experte Patrick Bellmer über die Corona-Warn-App
Audio [SR 3, Moderation: Michael Friemel, 21.10.2020, Länge: 03:13 Min.]
Gespräch mit Experte Patrick Bellmer über die Corona-Warn-App

Neben Begegnungen mit erhöhtem Risiko weist die App auch auf Begegnungen mit niedrigem Risiko hin, sehr kurze Treffen zum Beispiel. Das Display leuchtet dann weiterhin Grün - in diesem Fall muss der Betroffene nichts weiter unternehmen. Viele Nutzer finden diese Warnungen daher eher verwirrend. Bellmer erklärt, dass hinge daran, dass die Person zwar auffällig sei, aber noch kein Risiko darstelle. "Die App funktioniert so, dass sie Abstand und Dauer eines Kontakts erkennt und bestimmte Werte intern hinterlegt sind. Das heißt, wenn ich ganz kurz Kontakt über zehn, zwölf Meter hatte, dann sagt die App das ist zwar schon auffällig, aber noch kein Risiko, weil es vermutlich keine Übertragung gegeben hat". Gerade bei den grünen Sachen, sei das nur ein sehr niedriges Risiko. Es stehe dann auch in der App drin, dass man sich keine Sorgen machen solle und auch keine Maßnahmen ergreifen müsse. Dies sei allerdings kein Fehler, sondern beabsichtigt, da es zur Abschreckung diene.

Datenschutz spielt wichtige Rolle

Die Sorge wegen der Datenübertragung sei laut Bellmer nicht berechtigt. Das System sei anonym: "Es werden keinerlei persönlichen Daten übertragen. Keine Telefonnummer, keine Seriennummer des Geräts, selbst das Handymodell wird nicht übermittelt. Da weiß niemand, wer hinter dieser App tatsächlich steckt".

Neue Funktionen

  • Zusammenarbeit mit ausländischen Apps: Ursprünglich sollte die Corona-App schon in der Urlaubszeit im Sommer kompatibel mit den Anwendungen der Nachbarländer sein, doch die Entwicklung verzögerte sich. Zum Start funktioniert der Datenaustausch mit Irland und Italien, weitere Länder sollen bald folgen.

  • Symptom-Tagebuch: Nutzer können nun auf freiwilliger Basis ihre Symptome eintragen, wenn sie sich mit Sars-CoV-2 infiziert haben. Das diene laut dem Experten Bellmer aber nur zur Selbsteinschätzung und werde ebenfalls nicht übertragen.

Nur wenige der positiven App-Nutzer geben Infektion an

Theoretisch sei die App laut Bellmer´s Einschätzungen insgesamt sehr gut: "Sie lässt sich einfach installieren, man muss nach der Installation nichts mehr machen, es läuft alles automatisch". Die Schwachstelle sei allerdings der Faktor Mensch, da zu wenig Nutzer ihr positives Testergebnis eintragen.

Ein Thema in 'Guten Morgen' auf SR 3 Saarlandwelle am 21.10.2020.


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