Ankerzentrum Lebach (Foto: Alexander M. Groß)

Corona-Prävention im AnKer-Zentrum Lebach

Carolin Dylla   29.04.2020 | 17:58 Uhr

Anfang April wurde eine erste Gruppe von Geflüchteten aus dem so genannten AnKER-Zentrum in Lebach nach Braunshausen gebracht - Menschen, die in der Corona-Pandemie besonderen Schutz brauchen; Familien mit Kindern und ältere Menschen. Am 28. April ist eine zweite Gruppe dort angekommen. Was aber geschieht mit den Menschen, die weiterhin in Lebach wohnen?

Corona-Prävention im AnKer-Zentrum Lebach
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 29.04.2020, Länge: 02:58 Min.]
Corona-Prävention im AnKer-Zentrum Lebach

Gut 1200 Menschen leben im so genannten AnkER-Zentrum. Seit langem ist bekannt, dass die Wohnsituation vor allem wegen der räumlichen Enge dort für viele Menschen schwierig ist. In der Corona-Krise machen sich viele Bewohner deshalb Sorgen: Sie befürchten eine hohe Ansteckungsgefahr.

In Braunshausen bringt das Ministerium seit Anfang April Corona-Risikogruppen unter: Familien mit Kindern und ältere Menschen. Neuankömmlinge werden dort zunächst auf COVID-19 getestet. Erst einmal bleiben sie zwei Wochen in Quarantäne. Danach werden sie auf die Kommunen verteilt. Innenminister Klaus Bouillon (CDU) sagt, derzeit gebe es 80 bis 100 freie Wohnungen. Dort würden die Familien mit Kindern untergebracht.

Ziel ist es, im AnkER-Zentrum in Lebach selbst mehr Platz zu schaffen, um die Bewohner räumlich besser getrennt unterzubringen. Außerdem wurde auch dort eine Quarantäne-Station eingerichtet. Seit rund acht Wochen werden alle Menschen getestet, die neu nach Lebach kommen. Und bleiben 14 Tage in Quarantäne um zu verhindern, dass das Virus von außen in die Aufnahmestelle gelangt.

Die Situation im Ankerzentrum in Lebach (29.04.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 29.04.2020, Länge: 03:04 Min.]
Die Situation im Ankerzentrum in Lebach (29.04.2020)

Die Bewohner haben Angst vor Ansteckung

Trotzdem haben viele Bewohner Angst, sich anzustecken, berichtet der Saarländische Flüchtlingsrat. Es lebten dort immer noch zu viele Menschen auf zu engem Raum. Maria Dussing-Schuberth vom Flüchtlingsrat war zwar selbst länger nicht mehr vor Ort, sagt aber, sie sei in Kontakt zu vielen Leuten. Die räumliche Enge zeige sich an den Mehrbettzimmern, den Gemeinschaftsküchen, auch die Waschräume, wo die Flüchtlinge zum Teil in der Schlange warten müssen, um ihre Wäsche zu waschen. Öffentlich über die Situation sprechen wollte keiner der Bewohner. Sie wollten keinen Ärger, sagen sie.

Der Innenminister weist die Vorwürfe zurück. Was man am Dienstag sehen konnte, entspricht durchaus den geltenden Standards. So wurde etwa auf Abstand bei der Essensausgabe geachtet. Auch in den Waschräumen dürfen sich jetzt maximal zwei Personen aufhalten. Das wird an der Tür überprüft. Bouillon sagte, er habe habe Verständnis, dass die Menschen Angst haben. "Wir haben alle Angst, jeder Deutsche, jeder auf der Welt hat Angst." Aber er habe keine Möglichkeiten, Tausende von Menschen zu verteilen. Die Landesregierung plant auf jeden Fall, noch mehr besonders gefährdete Menschen aus Lebach nach Braunshausen zu bringen und danach auf die Kommunen zu verteilen. Laut Innenministerium gab es bislang acht bestätigte Corona-Fälle. Insgesamt wurden rund 260 Tests durchgeführt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 29.04.2020 berichtet.

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