Eine Frau und ein Mann umarmen sich (Foto: Tobias Seeger/SR)

"Es ist schwer aus Gruppennorm auszubrechen"

mit Informationen von Nadine Thielen   24.08.2020 | 17:08 Uhr

Die ersten haben die Einladung für ihre Hochzeitsfeier oder die Geburtstagsparty jetzt endlich verschickt, da stehen die Feiern schon wieder auf der Kippe: Am Montag telefonierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit seinen Länder-Kollegen, ein Thema dort: Die privaten Feiern. Experten gehen davon aus, dass sich viele gerade bei diesen Feiern nicht an die Hygiene und Abstandsregeln halten. Und gerade damit Corona weiter befeuern. Und tatsächlich: es ist ja auch schwer plötzlich in der vertrauten Atmosphäre auf Corona umzuschalten.

"Es ist schwer aus der Gruppennorm auszubrechen", sagt Professor Malte Friese, Sozialpyschologe an der Universität des Saarlandes. Wenn also alle zum Beispiel bei einer Hochzeitsfeier das Brautpaar umarmen, entstehe ein sozialer Druck dem gleich zu tun. "Wehret den Anfängen", empfiehlt er deshalb. Heißt: Diejenigen, die beispielsweise bei der Gratulation den Anfang machen, sollten deutlich machen, dass sie auf Hygienemaßnahmen achten und deshalb auf eine Umarmung verzichten.

Außerdem rät der Psychologe dazu anzusprechen, wenn man auf Körperkontakt verzichten und den Sicherheitsabstand einhalten möchte. Viele fordern auch ein Alkoholverbot auf großen Feiern. "Alkohol verändert die Risikoeinschätzung", sagt Friese dazu. Das spreche dafür Alkohol zu verbieten, wenn man auf eine strikte Einhaltung der Maßnahmen dringt.

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"Es ist ganz schwer aus Gruppennorm herauszubrechen"
"Es ist ganz schwer aus Gruppennorm herauszubrechen"
Warum das Einhalten der Hygieneregeln auf privaten Feiern so schwer ist, darüber hat SR-Moderatorin Nadine Thielen mit Professor Malte Friese, Sozialpyschologe an der Universität des Saarlandes, gesprochen.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 24.08.2020 berichtet.

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