Duftöle  (Foto: dpa)

Wenn der Geruchssinn verrückt spielt

Steffani Balle   03.11.2020 | 13:00 Uhr

Nichts mehr riechen. Oder alles riecht nach Kohl. Oder Schwefel. Der Verlust des Geruchssinns gilt mittlerweile als eines der Leit-Symptome bei Covid19- Patienten. Doch woran liegt das? Und was kann man dagegen tun?

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Corona-Infektion: Wenn der Geruchssinn verrückt spielt
Audio [SR 3, Steffani Balle, 03.11.2020, Länge: 03:06 Min.]
Corona-Infektion: Wenn der Geruchssinn verrückt spielt

Jonas hatte sich im Frühjahr mit Corona infiziert. Einziges Krankheitssymptom: Er hatte keinen Geruch wahrgenommen. Heute, ein halbes Jahr später, kehrt sein Geruchssinn langsam zurück - aber ganz anders als es sein sollte. "Der Sprit an der Tankstelle richt für mich eins zu eins wie Salatgurke", so Jonas. Auch Haferflocken, Apfelsaft und Urin hätten für ihn zurzeit einen komplett identischen Geruch.

Wie das Riechen funktioniert

Das sei ganz typisch, sagt Alessandro Bozzato, der kommissarische Leiter der Hals-Nasen-Ohrenklinik an der Uniklinik Homburg. "Wir haben 15 Millionen Nervenzellen in jeder Nasenseite, die für Geruchsempfindungen verantwortlich sind. Diese 15 Millonen Nervenzellen haben 350 verschiedene Geruchsrezeptoren."

Man stelle sich nun vor, dass diese 350 Geruchsrezeptoren Buchstaben entsprechen, aus denen Wörter und Sätze gebildet werden können. Man nehme nun beispielsweise den Duft von Kaffee. Der setzt sich - um im Bild zu bleiben - aus mehreren Buchstaben zusammen. Wenn nun einzelne Buchstaben wegfallen, dann entsteht ein völlig anderer Duft für unsere Nase. Unsere Geruchs-Rezeptoren bekommen also unvollständige „Wörter“ und unser Gehirn versteht die Gerüche dann falsch. Und so setzt sich bei Jonas Benzingeruch zu Salatgurke zusammen.

Ein Training kann helfen

Riechen ist für unser Leben wichtig, kann sogar lebensrettend sein - man denke nur an Brandgeruch. Das Corona-Virus kann die Rezeptoren in der Nase angreifen, doch man kann die Rezeptoren wiederbeleben und das Riechen wieder lernen. Die Patienten inhalieren über 15 Sekunden intensiv bestimmte Duftstoffe wie zum Beispiel Eukalyptus, Rosenöl, Kaffee oder Zimt und trainieren damit ihre Riechvermögen. "Wir empfehlen, das viermal am Tag zu machen und das Training über einen Zeitraum von acht Wochen durchzuführen", sagt der HNO-Arzt.

Die vier ausgesuchten Düfte sind intensiv. Das wiederkehrende Riechen der Düfte soll die Erinnerung im Gehirn wecken. Das Training ist vergleichbar dem Training der Muskeln. Es braucht etwas Zeit. Wichtig ist jedoch, bei Geruchsverlust so früh wie möglich mit dem Training zu beginnen, denn die Rezeptoren sind nur im ersten Jahr nach dem Riechverlust wieder zu aktivieren.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 03.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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