Eine junge Frau mit Mundschutzmaske (Foto: pixabay/coyot)

Krebspatienten, Diabetiker und Allergiker besonders gefährdet

  20.04.2020 | 14:00 Uhr

Ein gut funktionierendes Immunsystem schützt vor schweren Covid-19-Verläufen. Doch es gibt Menschen, deren körpereigene Abwehr nicht ausreichend funktioniert. Dazu zählen vor allem Krebspatienten, aber auch Diabetiker und Allergiker. Sie zählen deshalb zu den Hochrisikogruppen.

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Coronavirus: Hochrisikogruppe Krebspatienten
Audio [SR 3, Steffani Balle, 20.04.2020, Länge: 02:11 Min.]
Coronavirus: Hochrisikogruppe Krebspatienten

Hochrisikogruppe Krebspatienten

Krebs gilt mittlerweile zwar als heilbare Krankheit. Bei Krebspatienten sei aber die körpereigene Abwehr, also das Immunsystem, auch durch die Behandlung, massiv beeinträchtig, sagt Michael Kulas, Sprecher der Hausärzte im Saarland. Kebspatienten seien deshalb sehr empfänglich für Angriffe durch Viren. "Sie haben dem nichts entgegenzusetzen", sagt Kulas. Zudem sei es häufig so, dass Krebspatienten schon durch ihre Erkrankung ausgezehrt seien, was die körpereigene Abwehr noch zusätzlich schwäche.

Krebstherapie keinesfalls absetzen

Das Immunsystem wird bei der Behandlung von Krebs massiv heruntergefahren, um durch Chemotherapie und Bestrahlung an die bösartigen Zellen heranzukommen. Das und das oft höhere Alter von Krebspatienten, dazu der reduzierte Allgemeinzustand ergeben eine höchst dramatische Mischung. Und so sind Krebspatienten die am stärksten gefährdete Personengruppe für schwere Covid-19-Verläufe. Dennoch rät der Arzt: Auf keinen Fall die Krebstherapie abbrechen. Weder die eigentliche Krebsbehandlung noch die Folgebehandlung. Letzere sei auf eine längere Zeitdauer ausgelegt. Wenn man die Behandlung der Grunderkrankung aussetze, könne dadurch ein "Rebound-Phänomen" ausgelöst werden, das heißt, "dass die Grunderkrankung dann um so stärker zurückkommen kann", sagt Kulas.

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Coronavirus: Hochrisikogruppen Diabetiker und Allergiker
Audio [SR 3, Steffani Balle, 20.04.2020, Länge: 02:33 Min.]
Coronavirus: Hochrisikogruppen Diabetiker und Allergiker

Diabetes-Patienten

Auch chronisch kranke Menschen müssen derzeit immer noch besonders aufpassen, dass sie sich nicht mit dem Coronavirus infizieren. Das gilt auch für Diabetiker. Diabetes Typ 2-Patienten sind besonders dann gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken, wenn ihr Blutzucker schlecht eingestellt ist und sie schon eine Folge-Erkrankung wie Herz-Kreislauf-Schwäche haben. Wenn auch die Nieren durch die Grunderkrankung angegriffen seien, werde es ernst, sagt Michael Kulas. "Die Niere ist, wie auch andere Organe, an der Bildung körpereigener Abwehr beteiligt und überall dort, wo ein Organ nicht mehr richtig funktioniert und das Ganze nicht mehr richtig zusammenspielt, kommt es zu Problemen.

Diabetes Typ 1-Patienten, die von Geburt an mit ihrer Krankheit leben, sind weniger gefährdet als Patienten mit Diabetes Typ 2, an Covid-19 zu erkranken - aber nicht wegen des DiabesTyps, sondern, weil sie in der Regel sehr gut eingestellt seien und zudem in der Regel ein sehr hohes Gesundheitsbewusstsein hätten, sagt der Mediziner.

Allergiker

Kompliziert ist es für Allergiker: Ist das, was da in der Nase juckt und den Husten auslöst, Pollenstaub oder möglicherweise doch das Coronavirus? Die Unsicherheit sei nicht von der Hand zu weisen, so Kulas: "Die Allergie ist eine Autoimmunerkrankung, das heißt: Das Immunsystem ist hochgefahren, aber leider nicht mit den Antikörpern, die wir zur Abwehr von Viren brauchen." Allergiker seien deshalb etwas empfänglicher für Viruserkrankungen und damit auch für das Coronavirus, "da der Körper mit der Abwehr der Allergie beschäftigt ist."

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 20.04.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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