Pflegedienstleiter am Klinikum Saarbrücken Markus Polz (Foto: Steffani Balle / SR)

"Es ist eine Krankheit, die alle Organe betrifft"

Steffani Balle   26.06.2020 | 12:30 Uhr

Viele haben eine Covid-19- Erkrankung durchgemacht und sind inzwischen wieder genesen. Doch noch weiß niemand, ob es dadurch eine Immunität gibt und wenn ja, wie lange sie vorhält. Sicher scheint nur: Die Krankheit kann viele Organe betreffen. Möglicherweise kann sie auch zu dauerhaften Schäden führen.

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Spät- und Langzeitfolgen von Covid-19
Audio [SR 3, Steffani Balle, 26.06.2020, Länge: 03:09 Min.]
Spät- und Langzeitfolgen von Covid-19

Die Intensität von schweren Covid-19- Fällen hat selbst den langjährigen Chef-Anästhesisten der Saarbrücker Winterberg-Klink, Konrad Schwarzkopf, überrascht. Bei den Patienten, die beamtet wurden, spreche man zurzeit von "Überlebenden", sagt er. Die Patienten seien auch nach der Entlassung noch nicht wirklich gesund.

Lunge am schwersten betroffen

Dabei ist die Lunge das Organ, das am schwersten erkrankt und sich ganz offensichtlich auch nicht so leicht erholt. Auch nach der Behandlung seien auf dem Röntgenbild immer noch massivste Veränderungen im Lungengewebe zu sehen, so Schwarzkopf. Und es sei nicht klar, "ob sich diese Veränderungen jemals wieder komplett rückbilden, oder ob da Bereiche der Lunge sich so verändern, dass sie nicht mehr an der Atmung teilnehmen."

Risiko Niereninsuffizienz

Während der Beatmung gibt es bei vielen Patienten auch einen Ausfall der Nieren und das hat Folgen. Es könne zu einer Niereninsuffizienz kommen, also zu einer Schädigung der Nierenfunktion, so dass die Patienten zeitweise oder sogar dauerhaft dialysepflichtig seien, sagt der Anästhesist.

Weitere Symptome

Auch der Magen-Darm-Trakt ist bei den intensiv behandelten Patienten noch eine ganze Weile beeinträchtigt und es gebe Fälle, da zeigten sich Symptome ähnlich der Spätfolgen eines Herzinfarkts. "Es ist eine Krankheit, die alle Organe betrifft", sagt Schwarzkopf.

Nachsorge

Zurzeit sei nicht vorgesehen, dass Covid-19-Patienten, "selbst wenn sie lange auf der Intensivstation gewesen sind, in eine ambulante Nachbehandlung von intensivmedizinischer Seite kommen können", sagt Schwarzkopf. "Das gehört zu den Dingen, die sich ändern müssen."

Leichte Fälle

Leichte Fälle zeigen während der Covid-Erkrankung entweder keine oder kaum Symptome. Wobei auch das relativ sei, sagt der Hausarzt Frank Veauthier, der selbst ein "leichter Fall" war. Während der Erkrankung habe er an einer bleiernen Müdigkeit gelitten - und auch heute noch werde er schneller müde als normal.

Neben den körperlichen Symptomen stellt die Erkrankung für viele zudem eine hohe psychische Belastung dar - auch noch nach der Genesung. Das weiß auch Veauthier aus seiner Praxis zu berichten.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 26.06.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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