Symbolbild: Ein Kind in einer psychiatrischen Klinik (Foto: dpa)

Ärger um Besuchsregeln in der Forensischen Psychiatrie

Thomas Gerber   09.12.2020 | 10:56 Uhr

Die Saarländische Klinik für Forensische Psychiatrie, SKFP, in Merzig ist bislang gut durch die Pandemie gekommen. Unter den rund 150 Patienten gab es bisher nur einen Coronafall.  Wie bereits im Oktober, als es einen Coronafall unter den Beschäftigten gab, hat die Klinikleitung ein Besuchsverbot verhängt und auch ansonsten den Klinik-Alltag stark eingeschränkt. Das sorgt bei den Betroffenen und ihren Angehörigen für Unmut.

Ärger um Besuchsregeln in der Forensischen Psychiatrie
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 09.12.2020, Länge: 03:05 Min.]
Ärger um Besuchsregeln in der Forensischen Psychiatrie

Ende November war ein älterer Patient in der "Saarländischen Klinik" für Forensische Psychiatrie positiv auf das Virus getestet worden. Der Mann wurde isoliert, seine Station komplett unter Quarantäne gestellt. Weitere Infektionen bei Mitpatienten oder unter den rund 200 Mitarbeitern wurden bislang nicht entdeckt. Mit Corona hat sich nach Ansicht so mancher der Klinik- und Stationsalltag auch therapeutisch zum Schlechten verändert. Arbeitstherapie und Sport fänden nicht mehr statt, den Patienten fehle der Kontakt nach außen, auch der regelmäßige Besuch von Angehörigen.

Manche wollen lieber in die JVA

Rechtsanwalt Michael Rehberger hat zahlreiche psychisch kranke Straftäter als Mandanten in der Forensik. Einige von ihnen wollten die Therapie möglicherweise abbrechen und dann doch lieber ihre Strafe im Knast auf der Saarbrücker Lerchesflur abzusitzen. Denn dort gehe man mit dem Coronaproblem weitaus gefangenenfreundlicher um. So hätten Gefangene in der JVA eine zweite Freistunde also Hofgang bekommen sowie die Möglichkeit, via skype mit ihren Angehörigen in Kontakt zu bleiben. Für Verteidiger Rehberger ist die Situation in Merzig durchaus grenzwertig.

Dass es da Defizite gibt, ist auch im zuständigen Justizministerium bekannt. Auch in Merzig soll nun Telefonieren per Video möglich gemacht werden – noch allerdings fehlten die Übertragungskapazitäten. Die immerhin eine gute Nachricht für Patienten und Angehörige: Telefonieren per Videoschaltung soll möglich gemacht werden. Und auch der Therapiebereich ist zumindest wieder teilweise in Betrieb. All das steht jedoch unter Vorbehalt; vieles hängt vom weiteren Infektionsgeschehen ab.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 09.12.2020 berichtet.

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