Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan (Foto: picture alliance/dpa | Frank Leonhardt)

Contergan-Skandal vor 60 Jahren

Eva Lippold   15.11.2021 | 09:18 Uhr

Der Contergan-Skandal ist einer der graviernensten Arzneimittel-Skandale der Geschichte. Das Schlafmittel wurde von der deutschen Firma Grünenthal vier Jahre lang vertrieben. Die Einnahme während der Schwangerschaft konnte zu schweren Missbildungen führen. Bis zum 15. November 1961 – vor genau 60 Jahren – war das Medikament in Deutschland auf dem Markt.

Rund 5000 Kinder kommen in Deutschland mit schweren Missbildungen zur Welt, die Gliedmaßen sind verkürzt oder deformiert. Ein Hamburger Arzt sieht einen Zusammenhang mit dem Schlafmittel Contergan, doch der Hersteller wiegelt ab. Das Präparat sei "toxikologisch gesehen ungiftig", heißt es.

Keine Verurteilungen

Contergan-Skandal vor 60 Jahren
Audio [SR 3, Eva Lippold, 15.11.2021, Länge: 04:11 Min.]
Contergan-Skandal vor 60 Jahren

Die Werbung verspricht ein Wundermittel: Es hilft gegen Schlaflosigkeit, innere Unruhe und sogar Kontaktschwäche. Auch Schwangerschaftsübelkeit soll es beheben. Und dabei sei es harmlos wie Zuckerplätzchen.

Erst nach vier Jahren, als ein Zusammenhang zwischen dem Wirkstoff Thalidomid und den Missbildungen nachgewiesen werden kann, nimmt Grünenthal das Mittel vom Markt. Erst sechs Jahre später kommt es zum Prozess – 1970 wird er ohne Strafurteil eingestellt.

Verurteilt wurde nie jemand für das, was den Opfern angetan wurde. Und Grünenthal verkauft weiter Medizin – mit einem Jahresumsatz von heute 1,2 Milliarden Euro.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 15.11.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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