Symbolbild: Ein Mann sitzt mit einem Headset vor einem Laptop (Foto: picture alliance/dpa | Lino Mirgeler)

OB-Sprechstunde mit Impfskeptikern

Interview: der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt

Interview: Simin Sadeghi   14.01.2022 | 12:15 Uhr

Wer jetzt noch nicht geimpft ist, den kann man auch nicht mehr mit Argumenten überzeugen - das hört man in letzter Zeit immer wieder. Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt hat jetzt nochmal einen Anlauf genommen und eine virtuelle Sprechstunde für Impfskeptiker angeboten.

Am 13. Januar hatte der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt Impfskeptiker zu einer virtuellen Sprechstunde eingeladen. Zwei Stunden hatte sich Conradt Zeit für Einzelgespräche genommen.

OB Conradt: "Ich konnte zum Nachdenken anregen"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 14.01.2022, Länge: 04:30 Min.]
OB Conradt: "Ich konnte zum Nachdenken anregen"
Interview mit dem Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt

Unter den Teilnehmern seien keine prinzipiellen Impfgegner gewesen und auch keine Corona-Leugner, sagt Conradt. Teilgenommen hätten Menschen "aus der Mitte der Gesellschaft, die ihre ganz persönlichen Gründe vorgebracht haben, warum sie skeptisch gegenüber der Corona-Impfung sind."

Verlorenes Vertrauen

Ein zentraler Punkt sei dabei verlorenes Vertrauen gewesen - gerade zum Beginn der Pandemie gegenüber einzelnen Politikerentscheidungen. Und das sei dann bis ins Thema Impfen hinüber geschwappt. Conradt versucht dies damit zu erklären, dass die Politik vor dem Hintergrund sich immer wieder ändernder Erkenntnisse aus der Wissenschaft immer wieder ihre Aussagen korrigieren musste. Dies bleibe aber an den jeweiligen Personen hängen, sagt Conradt. "Viele Bürgerinnen und Bürger haben dann gesagt: Ich vertraue nicht mehr dem, was gesagt wird."

Das Gefühl für die Sondersituation ist verloren gegangen

Und es gebe noch einen weiteren Punkt, so Conradt. Viele hätten das Gefühl verloren, dass die Pandemie eine Sondersituation ist. Sie erlebten die Pandemie inzwischen als normal. Wenn man die Situation heute aber als normal erlebe, dann sei es natürlich sehr verständlich, dass es großen Diskussionsbedarf gebe.

"Konnte zum Nachdenken anregen"

Ob es mit den Gesprächen gelungen ist, Impfskeptiker zu überzeugen, das kann Conradt nicht einschätzen, aber "ich konnte zum Nachdenken anregen", sagt er. Und dazu gehöre auch, mal einen Perspektivwechsel vorzunehmen. "Wie wäre es, wenn man selber auf eine Intensivstation käme? Wie würde dann das Argument gewertet werden?"

Im Dialog bleiben

Grundsätzlich gehe es ihm auch darum, überhaupt nochmal einen Diskurs zu ermöglichen, "eine Brücke zu bauen, indem man sich im Gespräch begegnet", so Conradt. Damit die Menschen, die dem Impfen gegenüber skeptisch seien, schlussendlich nicht nur mit den Radikalen eine Diskussionsmöglichkeit hätten. Und Conradt will weiter machen. Es soll in absehbarer Zeit eine weitere Sprechstunde geben.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 14.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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