Kläranlage  (Foto: SR)

Mit Pflanzen Mikroschadstoffe aus dem Abwasser filtern

Anke Schäfer   12.09.2022 | 13:00 Uhr

In der Kläranlage in Bliesen wird derzeit in einer Versuchsanlage erforscht, wie mithilfe von Pflanzen Mikroschadstoffe besser aus dem Abwasser gefiltert werden können. Das Ganze ist ein grenzüberschreitendes Projekt mit Namen CoMinGreat. Bei einem Tag der offenen Tür konnten sich Interessierte das Ganze mal ansehen.

Wie können Mikroschadstoffe aus Medikamenten, Waschmittel, Zahnpasta und Sonnencreme in der Kläranlage effektiv aus dem Wasser herausgefiltert werden? Die beste Möglichkeit wäre eine Abwasserklärung mit Hilfe von Pflanzen.

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Mit Pflanzen Mikroschadstoffe aus dem Abwasser filtern
Audio [SR 3, Anke Schäfer, 12.09.2022, Länge: 03:00 Min.]
Mit Pflanzen Mikroschadstoffe aus dem Abwasser filtern

Konventionelle Technologien arbeiten z.B. mit Aktivkohle, die die Mikroschadstoffe bindet. Doch Pflanzen können es besser. Die Pflanzen und im Wurzelwerk der Pflanzen angesiedelte Pilze "helfen beim Abbau" der Mikroschadstoffe, so Tina Vollerthun vom Entsorgungsverband Saar (EVS).

Schilf als Reinigungsfilter

Der EVS beteiligt sich an einem entsprechenden grenzüberschreitenden Forschungsprojekt mit Namen CoMinGreat, das unter anderem in der Kläranlage Bliesen angesiedelt ist. Zu sehen sind blaue Container vor drei großen weißen Behältern, aus denen Schilf ragt. Die Bodenfilter. "Die Bodenfilter sind eines der Herzstücke dieser Demonstrationsanlage und haben sich sehr, sehr gut bewährt", so Vollerthun.

Pflanzenkläranlagen brauchen viel Platz

Doch so effizient sie auch arbeiten, die Pflanzenkläranlagen haben ein Problem: Sie brauche sehr viel Platz. Wollte man das Abwasser der Stadt Saarbrücken auf diese Weise klären, müsste die Anlage eine Größe von bis zu 15 Fußballfeldern haben, sagt Joachim Hansen, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Universität Luxemburg und Experte für Wasseraufbereitung. Eine solche Klärmethode ist seiner Einschätzung nach nur für kleine Gemeinden geeignet. "Es ist realistisch in einer Größenordnung von 2000 bis 5000 Einwohner." Bei größeren Gemeinden könne er sich jedoch eine Kopplung von herkömmlicher und pflanzlicher Reinigung vorstellen.

Ein Fünf-Länder-Projekt

Wie das genau funktionieren kann – all das ist Teil der Versuchsstation im Rahmen des CoMinGreat-Projekts in Bliesen – in dem Luxemburger, Saarländer, Lothringer, Belgier und Rheinland-Pfälzer zusammenarbeiten. Fanny Gritten vom Cebedeau Zentrum für Wasserforschung in Liège ist von dem Projekt sehr angetan. Oft sei es so, dass jeder seine eigene Technologie entwickele und es keine Zusammenarbeit gebe. Hier nun finde ein Austausch von Wissen und eine grenzüberschreitende Vernetzung statt.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 12.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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