Demonstranten halten weiße Blätter hoch, um stumm zu protestieren (Foto: picture alliance/dpa/AP | Ng Han Guan)

Chinesen im Saarland blicken mit Sorge in ihr Heimatland

mit Informationen von Marc-André Kruppa   29.11.2022 | 12:00 Uhr

In China kommt es zunehmend zu Protesten und Protestaufrufen gegen die dortige Null-Covid-Politik. Die chinesische Polizei reagiert mit Straßensperren, Verhaftungen und Durchsuchungen. Wie blicken im Saarland lebende Chinesen auf die Entwicklungen in ihrem Heimatland?

Von einem Ende der Corona-Pandemie reden in Deutschland bereits viele. Die Zahlen sinken derzeit deutlich - trotz Herbstbeginn. Das macht Hoffnung. Ganz anders sieht die Lage in China aus. Dort sind die Infektionszahlen so hoch, wie noch nie während dieser Pandemie. Doch die Regierung hält an ihrer strikten Null-Covid-Strategie fest. Das heißt: Quarantäne - wenn es sein muss, über Monate. Inzwischen machen in China die Menschen ihrem Unmut über diese Politik Luft, sind sogar auf die Straße gegangen, um zu demonstrieren. Die chinesische Regierung versucht, diese Proteste mit allen Mitteln zu unterbinden.

Auch für die im Saarland lebenden Chinesen sind die aktuelle Corona-Phase in ihrem Land und die sich aufheizenden Proteste eine Belastung.

Sorgenvoller Blick nach China

Ein Chinese aus Saarland hat noch Familie in China. Seit der Pandemie konnte er sie nicht mehr besuchen und blickt mit Sorge auf aktuelle Lage in seinem Heimatland. Seine Mutter ist inzwischen schwer erkrankt und er hofft, so schnell es geht, wieder nach China reisen zu können. Neben den Medien erfährt er vor allem über seine Familie, wie die Corona-Regeln im Land den Alltag beeinflussen. Totale Lockdowns wie noch 2020 versuche man zu vermeiden, indem man die Quarantäne nur noch für Wohnböcke bzw. Bezirke anordne, sagt er.

Verständnis für Proteste

Von solch lokalen Lockdowns war auch seine Familie schon betroffen. Ein positiver Fall und der gesamte Wohnblock musste in Quarantäne. Zudem gebe es jeden Tag Massen-PCR-Tests. Einerseits könne er nachvollziehen, dass gerade ältere Chinesen dadurch geschützt werden sollen, aber dennoch blicke er mit gemischten Gefühlen auf die Maßnahmen - beispielsweise, wenn seine Enkelin dadurch nicht mehr richtig studieren könne. Gerade deshalb könne er die Proteste im Land gegen die strikten Corona-Regeln nachvollziehen.

Lockdowns für viele Chinesen unerträglich

Eine Saarbrücker Studentin war kurz vor Beginn der Pandemie nach Deutschland gekommen, um hier ihren Bachelor zu machen. Auch sie hat ihre Familie seitdem nicht mehr gesehen, telefoniert aber einmal die Woche mit ihren Eltern. Für sie seien die aktuellen Corona-Lockdowns viel schlimmer als noch in der Zeit um 2020, sagt sie. Für viele in China sei die Situation nicht mehr zu ertragen - besonders da sie nicht arbeiten und ihren Lebensunterhalten verdienen könnten - so ihre Einschätzung.

Immerhin: Die Proteste schienen gewirkt zu haben, denn inzwischen hat die chinesische Regierung einige leichte Lockerungen in großen Städten wie Peking und Schanghai zugelassen.


Hintergrund


tagesschau.de
Polizei verhindert weitere Proteste
Nachdem in sozialen Medien erneut zu Protesten in China aufgerufen wurde, hat die Polizei mit einem massiven Aufgebot reagiert - und Demonstrationen verhindert. Straßen wurden gesperrt und Smartphones durchsucht.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 29.11.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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