Cannabis Ernte mit Erntehelfern (Foto: SR / Oliver Buchholz)

Erste Cannabis-Ernte im Saarland

Oliver Buchholz / Onlinefassung: Jil Kalmes   24.08.2022 | 17:38 Uhr

Im Saarland ist jetzt erstmals Kulturhanf geerntet worden. Die Pflanzen gehören zu einem Pilotprojekt der Firma KD Phyto. Das Unternehmen will aus dem Hanf CBD-Öl für kosmetische Zwecke herstellen.

Auf einem Feld hinter Ormesheim stehen rund zwei Hektar Cannabis, sogenannter Nutzhanf.

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Erste Cannabis-Ernte im Saarland
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 25.08.2022, Länge: 03:00 Min.]
Erste Cannabis-Ernte im Saarland

Die Pflanzen sind Teil eines Pilotprojektes der Firma KD Phyto aus Bexbach und wurden in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsbetrieb Gut Hartungshof angebaut. Ziel ist die Herstellung des ersten saarländischen CBD-Öls. Nun wurden erstmals etwa 150 Kilogramm Pflanzen geerntet.

Streng kontrolliert und überwacht

In Deutschland darf Cannabis seit 2017 zu medizinischen Zwecken angebaut werden. Es handelt sich um EU-zertifiziertes Saatgut, das Pflanzen hervorbringt, die einen äußerst geringen Anteil des halluzinogenen Wirkstoffes THC enthalten.

Der Anbau und die Ernte unterliegen den strengen Augen der Bundesopiumstelle und müssen genehmigt werden – auch die Ernte in Ormesheim.

Diebstahl lohnt sich nicht

Trotz der strengen Regeln ist das Feld nicht eingezäunt oder mit anderen Vorrichtungen geschützt. Angst, dass sich jemand an seinen Pflanzen bedient, hat Steffen Krauser, Geschäftsführer von KD Phyto, nicht.

Diebstahl lohne sich einfach nicht. Der Anteil des halluzinogenen Wirkstoffes THC des hier angebauten Hanfes sei dafür zu gering. Die Menge an Nutzhanf, die konsumiert werden müsste um einen Effekt zu erreichen, würde sehr schnell zum Erbrechen führen.

Wie läuft die Cannabis Ernte ab?

Zwar gibt es Erntemaschinen, die speziell auf die Ernte von Nutzhanf zugeschnitten sind. Weil die allerdings teuer sind, werden die Pflanzen hier von Hand geerntet. Das mache den Preis zwar nicht günstiger, steigere aber die Qualität, so Krauser.

Erst fährt ein Balkenmäher durch das Feld und schneidet den Hanf auf einer gewissen Höhe ab. Die Erntehelfer und -helferinnen sortieren den eingesammelten Schnitt dann in männliche und weibliche Pflanzen ein. Woran man das erkennt? Die männlichen Pflanzen sind durch die anhaltende Trockenheit der letzten Wochen fast komplett weiß geworden. Das weibliche Cannabis leuchtet hingegen in einem tiefen Dunkelgrün.

Vom Feld ins Labor

Nachdem alles sortiert ist, werden die weiblichen Pflanzen nach Homburg-Erbach gebracht und kommen dort ins Labor. Hier wird das insgesamt 150 Kilogramm schwere Pflanzenmaterial geschreddert und in einem enzymatischen Prozess aufgeschlossen. Dann wird das CBD mit einem Trägeröl extrahiert. So könne direkt aus der Pflanze ein konsumfertiges Öl produziert werden, so Krauser.

Die Einnahme des Öls ist in der EU nicht erlaubt. Stattdessen fokussiert sich KD Phyto auf die Entwicklung von Produkten im Kosmetikbereich. CBD-Öl soll entzündungshemmend und beruhigend sein, die Wirkung ist allerdings umstritten.

Saar-CBD Mitte 2023 erwartet

Die Firma KT Phyto ist saarlandweit die erste, die sich mit der Produktion von CBD-Öl durch das Einsetzen von bestimmten Enzymen befasst. Erste Produkte seien wahrscheinlich irgendwann Mitte 2023 erhältlich, so Geschäftsführer Steffen Krauser.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 25.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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