Die Knubbestubb in Fischbach-Camphausen: Walter Engel (links) und Ex-Wirt Thomas (Foto: Kerstin Gallmeyer/SR)

Begegnungsstätte nicht nur für Bergleute

Markus Person / Onlinefassung: Axel Wagner   25.09.2019 | 14:17 Uhr

In Fischbach-Camphausen treffen sich ehemalige Bergleute zum gemeinsamen Essen und Trinken. Die Knubbestubb im ehemaligen Tennisheim ist mehr als nur Gastronomie, sondern auch eine Begegnungsstätte. Und das ist nicht nur bei Bergleuten beliebt- auch immer mehr andere zieht es ins ehemalige Sportheim. Das liegt auch an einer ganz besonderen Spezialität des Hauses.

Die Abendsonne scheint über Fischbach-Camphausen.  Auf der Tennisanlage wird beim Doppel um jeden Punkt gekämpft. Dahinter, auf dem Hügel liegt das frühere Tennisheim. Ein Clubhaus ist es aber schon seit Jahren nicht mehr. Das Sportlerheim ist mittlerweile ein belebter Treff für ehemalige Bergleute. Vor gut zehn Jahren hat der Bergmannsverein Fischbach-Camphausen das ehemalige Tennisheim übernommen, um daraus eine Begegnungsstätte für Bergleute mit Gastronomie zu machen – die Knubbestub.

Grubendeko und Gegrilltes

Ungewöhnliche Cafés: die Knubbestubb in Fischbach-Camphausen
Audio [SR 3, Markus Person, 25.09.2019, Länge: 03:27 Min.]
Ungewöhnliche Cafés: die Knubbestubb in Fischbach-Camphausen

Hier treffen sie sich an bestimmten Tagen, erzählt Walter Engel, Vorsitzender des Bergmannsvereins Fischbach-Camphausen, „Uralte, dann die, die vor Kurzem in den Vorruhestand gekommen sind, egal ob Betriebsführer oder Obersteiger. Es kommen alle aus verschiedenen Gattungen im Bergbau. Sie fühlen sich hier wohl. Das Ganze hat natürlich auch den Hintergrund, dass wir immer wieder alle Kollegen treffen.“

Engel und sein Verein hatten vor gut zehn Jahren die Idee, das Tennisheim zu übernehmen und zur Bergmann-Begegnungsstätte umzubauen. Das Ambiente jetzt – in bester Bergmanntradition: Wertvolle Grubenlampen, Werkzeuge, Flaggen und Embleme sind die Deko, in einer Ecke steht eine lebensgroße Puppe in kompletter Bergmannstracht. An diesem Samstagabend liegt eindeutig der Duft von Gegrilltem in der Luft in der Knubbestubb.

Name aus dem Bergbau

Auch der Name ist ein Überbleibsel aus der Bergmannszeit: „Er kommt von der Überstunde im Bergbau“, sagt Walter Engel. „Wenn man eine Viertelstunde länger unter Tage gearbeitet hat, war das ein Knubbe. Da bekam man dann ein Stück Lyoner, einen Weck und eine Flasche Bier. Natürlich haben die meisten Bergleute, wenn sie heim gekommen sind, gesagt, sie haben Knubbe gemacht. Die haben diesen Knubbe meistens in der Caféküche gemacht.“

In der Knubbestubb gibt es allerdings mehr als nur Lyoner im Weck. Die Spezialität des Hauses: der Schaukelbraten – ein dickes Stück Schweinekamm, drei Tage eingelegt in Salz, ordentlich Pfeffer und einer Menge Zwiebeln. Das Fleisch wird eine gute Stunde auf einem Schwenkgrill im Kamin über dem Kohlenfeuer gegrillt.

Die Knubbestubb in Fischbach-Camphausen (Foto: Kerstin Gallmeyer/SR)
Die Knubbestubb in Fischbach-Camphausen

Highlight: Schaukelbraten

Eingeführt haben das Rezept Thomas und seine Frau. Der ehemalige Wirt steht heute auch höchstpersönlich am Schwenker. „Der erste Schaukelbraten, den wir gemacht haben, ist wie eine Bombe eingeschlagen. Den habe ich damals ungefähr einmal in der Woche gemacht, und heute machen wir ihn noch einmal im Monat.“

Thomas, ehemaliger Schlosser unter Tage, war sieben Jahre Wirt der Knubbestubb. Er gibt dem Grill einen Schubs – und ein gutes Dutzend Bratenstücke schaukelt über der Glut. Sein Gesicht ist leicht gerötet von der Hitze, aber das gehört zum Schaukelbraten einfach dazu.

Nur noch an einem Samstag im Monat

„Wir im Saarland kennen nur Schwenker. Schaukelbraten ist nochmal was Spezielles“, meint Walter Engel. „Auch wie es angemacht wird und vor allem vom Gewicht her. Die Hunsrücker, die schwer arbeitenden Bauern und Bergleute die haben halt große Portionen gegessen. Der Spruch ist halt: Unter 500 Gramm ist Aufschnitt“, ist Walter überzeugt und genießt sein kross geschwenktes Stück Bio-Schaukelbraten auf seinem Teller.  Den darf man übrigens auch ohne Bergmanns-Vergangenheit probieren. Allerdings: Die Spezialität des Hauses gibt’s nur noch an einem Samstag im Monat mit Anmeldung. Auch das ist in der Knubbestubb von Fischbach-Camphausen Tradition. 

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Mittag vom 25.09.2019 berichtet.

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