ARD Themenwoche: Ein Ex-Soldat kämpft um Gerechtigkeit

Ein Ex-Soldat kämpft um Gerechtigkeit

ARD Themenwoche Gerechtigkeit

Florian Mayer / Onlinefassung: Kai Forst   15.11.2018 | 12:30 Uhr

Es ist eine Geschichte wie aus einem schlechten Agentenfilm. Ein Berufssoldat aus dem Saarland wird von einem Geheimdienst fälschlicherweise verdächtigt, Terrorist zu sein. Er wird über Stunden verhört und vollkommen ahnungslos zurückgelassen. Übrig bleibt ein Leben, das aus den Fugen geraten ist - und eine zerstörte Karriere.

September 2012. Für Florian C., Soldat beim Eurocorps, beginnt seinen Arbeitstag in der Kaserne wie immer. Bis zwei Agenten des Geheimdienstes der Bundeswehr – genannt MAD -  mit ihm sprechen wollen. C. denkt, es gehe um einen Job, denn MAD-Agent ist sein Karriereziel. In einem kleinen Konferenzraum angekommen, kommt aber alles ganz anders: „Ich saß dann gegenüber von zwei MAD-Ermittlern aus dem Bereich Terrorismus und Extremismus, die mich fünf Stunden verhört haben.“

Video [aktueller bericht, 29.05.2018, Länge 4:23 Min.]
Zu Unrecht als Salafist bezeichnet

Depression und Klinikaufenthalt

Was genau die Agenten von C. wollen, haben sie ihm nie gesagt. Erst als einer der Agenten ihm gedroht habe, wurden die Absichten klarer. „Mir wurde gesagt, wenn man mir nachweisen könnte, dass ich in einer Moschee war, würde man mich festnageln." Die exakten Vorwürfe kennt er aber auch danach nicht. Erst am Tag nach dem Verhör bekam er von seinem Vorgesetzten mitgeteilt, dass die Agenten davon ausgehen, er sei Salafist. Man habe Fotos von ihm in islamischer Kleidung und habe sein Auto vor Extremistentreffs beobachtet.

Lander fordert Aufklärung

Der Landtagsabgeordnete der Linken, Lander, hat inzwischen Aufklärung im Fall des saarländischen Ex-Bundeswehrsoldaten gefordert. Lander sagte, es müsse geklärt werden, inwieweit saarländische Behörden den Fall mit falschen Verdächtigungen erst ermöglicht hätten.

Das Verhör und die Vorwürfe machen schnell die Runde unter Vorgesetzten und Kameraden. Der überzeugte Zeitsoldat wird immer mehr geschnitten und ausgegrenzt. C. fühlt sich ständig verfolgt und beobachtet und stürzt in eine tiefe Depression. Er wird dienstunfähig, Klinikaufenhalte und psychologische Behandlungen folgen.

"Haben Sie verwechselt"

Im Mai 2013 muss sich C. wieder bei einem MAD-Agenten melden. Im versucht freundschaftlichen Plauderton sagt der Agent das, was C. schon immer wusste. Die Vorwürfe gegen ihn waren falsch. „Der Herr vom MAD hat mir dann gesagt: Wir haben sie verwechselt. Uns ist eine Fehler unterlaufen. Sie wissen irren ist menschlich und wir sind auch nur Menschen.‘ "

Sein Vertrauen in die Bundeswehr ist zerstört. Er verlässt sie 2014 und stellt einen Antrag auf Wehrdienstbeschädigung durch das Verhör und die Verdächtigungen - ohne Erfolg. Der Antrag wird von der Bundeswehr und dem saarländischen Landesamt für Soziales abgelehnt.

Der Kampf um Gerechtigkeit geht weiter

Doch C. gibt nicht auf. Kämpft bis heute für sein Recht. Vor einigen Wochen war er beim Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages. Im Gespräch mit dem ständigen Vertreter des Wehrbeauftragten hieß es jedoch nur: Es solle die Vergangenheit vergessen und in die Zukunft schauen. Eine unpassende Reaktion, findet C., denn "es ist ja eigentlich seine Aufgabe, für uns zu kämpfen."

Der nächste Schritt für den Ex-Soldaten heißt nun: Klage gegen die Bundeswehr. "Entweder entscheidet die Bundeswehr sich jetzt, meine
Wehrdienstbeschädigung anzuerkennen oder wir werden vor Gericht gehen." Für C. wäre die Anerkennung der Wehrdienstbeschädigung zumindest eine teilweise Widerherstellung von Gerechtigkeit. Und auch eine offizielle Entschuldigung sieht er als angebracht an.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 15.11.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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