Spatzenpaar mit Futter für die Jungvögel (Foto: pixabay (CC0))

Insektensterben führt zu Schneeballeffekt in der Tierwelt

Margit Groß-Schmidt   06.03.2018 | 09:05 Uhr

Starker Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft hat verheerende Folgen für die Insektenwelt. Es gibt immer weniger Insekten - und das hat Folgen für die gesamte Tierwelt und unsere Artenvielfalt. Naturschützer schlagen Alarm.

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Naturschützer warnen vor Insektensterben
Audio [SR 3, Margit Groß- Schmidt , 06.03.2018, Länge: 02:32 Min.]
Naturschützer warnen vor Insektensterben

Bisher waren eher seltene Insekten-Arten vom Aussterben betroffen, doch inzwischen gilt das auch für weit verbreitete Arten. Wissenschaftler haben in einer Studie mit dem NABU zusammen das dramatische Insektensterben bestätigt. In den Jahren zwischen 1989 und 2015 haben ehrenamtliche Entomologen wissenschaftliche Daten an über 60 Standorten in Deutschland gesammelt. Die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten.

Viele Tierarten von Insektenmangel betroffen

Die Insektenwelt steckt also in Schwierigkeiten. Und nicht nur sie, denn es gibt einen Schneeballeffekt. Je weniger Insekten es gibt, um so weniger Nahrung gibt es für andere Tiere. Beispiel Vögel: Eine aktuelle Untersuchung des NABU zeigt, dass in den letzten zwölf Jahren die Anzahl der Brutvogelpaare um 15 Prozent zurückgegangen ist. Fast alle gehören Vogelarten an, die ihre Jungvögel mit Insekten füttern. Ebenfalls vom massiven Rückgang der Insekten betroffen sind so gut wie alle Fledermausarten, dazu kommen Schlangen, Eidechsen und Kleinsäuger.

Wie ist das Insektensterben zu stoppen?

Als Hauptursache für das Insektensterben sehen die Naturschützer den starken Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. "Das muss man auf jeden Fall so sagen. Es gibt einen sehr großen Rückgang in sehr stark agrar-bewirtschafteten Gebieten", sagt Andreas Werno vom saarländischen Zentrum für Biodokumentation. Es gebe drastische Rückgänge bezüglich der Menge an Insekten. "Sie betragen bei uns im Extremfall schon zwischen 80 und 90 Prozent."

Der NABU fordert deshalb unter anderem eine Reform der EU-Agrarpolitik, die Einrichtung eines Naturschutzfonds sowie eine drastische Reduzierung des Pestizideinsatzes. Wichtig sei zudem eine intensivere Forschung.


Audio zum Insekt des Jahres 2018

Das Insekt des Jahres 2018: Die gemeine Skorpionsfliege
Audio [SR 3, Margit Groß- Schmidt , 06.03.2018, Länge: 02:27 Min.]
Das Insekt des Jahres 2018: Die gemeine Skorpionsfliege
Die Skorpionsfliege ist in Europa weit verbreitet, vielen Naturfreunden aber kaum bekannt. Neben ihrem exotisch anmutenden Äußeren zeichnet sich das zu den Schnabelfliegen gehörende Insekt des Jahres durch einen komplizierten Liebesakt aus. SR 3 Reporterin Margit Groß- Schmidt über das harmlose Insekt mit dem gefährlichen Namen.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3 Sendung "Bunte Funkminuten" am 06.03.2018 berichtet.

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