Ein Schild mit den Abstandsregeln steht vor einer Buchhandlung. (Foto: picture alliance/Daniel Reinhardt/dpa)

Situation der Verlage und Buchhandlungen im Saarland

mit Informationen von Ulli Wagner   17.08.2020 | 15:00 Uhr

Mitte März wurden bundesweit nahezu alle Geschäfte geschlossen, die nicht Güter des täglichen Bedarfs anboten. Bücher gehörten ausdrücklich nicht dazu. Und so begann eine harte Zeit für die Branche. Wie sieht es nun rund fünf Monate nach dem Lockdown aus? Haben die Buchhandlungen und Verlage im Saarland die Krise überstanden?

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Wie steht es um die Verlage und Buchhandlungen im Saarland nach dem Lockdown?
Audio [SR 3, Ulli Wagner, 17.08.2020, Länge: 03:04 Min.]
Wie steht es um die Verlage und Buchhandlungen im Saarland nach dem Lockdown?

Es sei ein Schock gewesen, man hätte gar nicht gewusst, was passiert. Das Geschäft sei ziemlich stark eingebrochen, so Thomas Störmer von der Edition Schaumberg in Alsweiler. Stefan Wirtz vom Conte Verlag in Oberwürzbach ergänzt, dass sie aber so langsam wieder anfangen würden, Fuß zu fassen und nach vorne zu schauen, die neuen Bücher zu produzieren und zu hoffen, dass es bald wieder im normalen Rhythmus weitergeht.

Viele Investitionen wurden gestoppt und Projekte verschoben

Vom normalen Rhythmus ist der Verleger Florian Brunner vom Geistkirch Verlag in Saarbrücken noch weit entfernt. Zu tief sitzt der Schock über den Tod eines Autors, der infolge von Corona verstarb: Er hat Investitionen gestoppt und Buchprojekte verschoben und genau das hat Tom Störmer für die Edition Schaumberg auch gemacht. Er sagt, sie hätten aber jetzt auch in der Zeit relativ viel vorbereitet an neuen Sachen, die sie nicht geplant hatten, die auch überwiegend in diesem Jahr noch erscheinen würden.

Der etwas größere Conte-Verlag hatte sein Frühjahrsprogramm fast komplett fertig, als erst die Leipziger Buchmesse abgesagt wurde und dann der Lockdown kam. Da sei das Problem eher die Auslieferung gewesen. "Also viele von unseren Büchern waren auch gar nicht mehr lieferbar, weil die Lager voll waren und die haben gar keine Bücher mehr von uns angenommen. Von daher waren uns die Hände gebunden und wir mussten einfach warten, bis es vorbei ist", so Stefan Wirtz.

Sparsam sein und warten, bis es vorbei ist, das ist auch die Devise des Geistkirch-Verlags, erklärt Florian Brunner. Sie fuhren da im Prinzip auf Sicht, auf Sparflamme, ohne jetzt irgendwelche Risiken einzugehen, die sie bedauern würden.

Kleine Buchhandlungen scheinen die Krise bislang relativ gut überstanden zu haben

Die kleinen Buchhandlungen im Saarland hätten zum Teil eine kleine Durststrecke hinter sich, aber es liefe aber wieder sehr sehr rund, erklärt Beatrice Schmitt von der Bücherhütte Wadern. Sie ist im Orga-Team des Erlesen-Festivals und gut vernetzt. Sie ist, wie viele andere Buchhändlerinnen im Saarland, beeindruckt, wie treu die Stammkunden waren und erst recht, dass in der Krise auch Neukunden den kleinen Buchhandlungen die Stange gehalten haben.

Dabei stecke dahinter auch sehr viel Ideenreichtum, Online-Aktionen und Engagement der Buchhändlerinnen und Buchhändler, das würden auch die Verlage in der Region anerkennen, erklärt Stefan Wirtz. "Das waren auch die, die uns dann sozusagen am Leben gehalten haben", sagt er. Und sein Verleger-Kollege Tom Störmer von der Edition Schaumberg zieht rund fünf Monate nach dem Lockdown dieses Fazit: "Also ich bin jetzt noch vorsichtig, also vorsichtig skeptisch. Warten wir mal ab, was passiert. Und hoffen wir auf die Vernunft der Leute, dass es nicht wieder einen Rückschlag gibt, und dass es nicht einen zweiten Lockdown gibt, das wäre halt tödlich."

Über dieses Thema wurde auch auf SR 3 Saarlandwelle am 17.08.2020 berichtet.

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