Treber in einem Glas (Foto: SR)

Treber als kostengünstiger Mehlersatz?

Reste des Bierbrauens Ausweg aus der Krise?

Elena Jörger mit Informationen von Patrick Wiermer   08.06.2022 | 14:36 Uhr

Brot aus Abfällen – so klingt es natürlich nicht besonders appetitlich. Aber Treber ist eigentlich genau das: ein Abfallprodukt, das beim Bierbrauen entsteht. Seit Jahrhunderten wird es schon in Brot verbacken. Ein kostengünstiger Mehlersatz, der in Zeiten von Getreideknappheit Hoffnung macht. Forscher der Universität des Saarlandes haben das Produkt jetzt genauer untersucht.

Bier kennt man auch als flüssiges Brot! Und Brot und Bier sind sich tatsächlich näher, als man denkt. Ein Abfallprodukt des Bierbrauens könnte jetzt sogar der Ausweg aus der Getreidekrise sein.

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Abfallprodukt des Bierbrauens als Mehlersatz?
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 09.06.2022, Länge: 02:51 Min.]
Abfallprodukt des Bierbrauens als Mehlersatz?

Treber bleibt beim Bierbrauen übrig

Beim Bierbrauen werden Malz, Hopfen, Wasser und Hefe zum Getränk. Der entstehende Abfall wird Treber genannt. Er entsteht beim Brauprozess, als Abfall des Braumalzes. Treber riecht ein bisschen wie Sägemehl und wurde schon im Mittelalter im Brot verbacken.

Treber als kostengünstiger Mehlersatz?

Heutzutage wird Treber in erster Linie beim Tierfutter zum Einsatz oder wird zu Biogas verarbeitet. Doch vor dem Hintergrund der Getreidekrise könnte Treber auch als Mehlersatz dienen. Täglich fallen in Deutschland immerhin mehrere tausend Tonnen dieses "Abfallproduktes" an.

Bier brauen wie die Römer (Foto: SR 1/Jessica Spross)

Universität des Saarlandes erforscht mögliche Verwendung

Forscher an der Universität des Saarlandes haben Treber genauer unter die Lupe genommen. Wie gesund ist Treber? Wieviele Nährstoffe enthält er? Wie sieht es mit Mineralien und Balaststoffen aus?

Auch wurden verschiedene Rezepte ausprobiert und in Zusammenarbeit mit der Saarbrücker Bäckerei Steigleiter Testbrote gebacken. Das Ergebnis: Mit einem Anteil von 20 Prozent Treber schmecke das Brot wie Sauerteigbrot, sagt Doktorand Yannick Ney. Wenn der Anteil höher liege, werde der Geschmack faserig und das Brot zerbrösele.

Treberbrot aus der Bäckerei?

Es muss also noch etwas an der Rezeptur gefeilt werden. Bisher wurde frischer Treber von den Brauereien verwendet. Getrocknet und gemahlen könnte man bessere Ergebnisse erzielen - da sind sich die Forscher sicher.

Professor Claus Jacob von der Fakultät Pharmazie der Universität des Saarlandes sieht in Treber ein großes Potenzial. Er hofft auf das Engagement der Brauereien und Bäckereien. "Es wäre schön, wenn man Treber gemahlen und schön verpackt auch irgendwann mal kaufen könnte - und zwar in größeren Mengen."

Aktuell ist Treber noch ein Nischenprodukt, dass nur über das Internet zu beziehen ist. Das müsse ja nicht so bleiben - sagt er mit Blick auf die Brauereien.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 09.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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