Der Architekt Prof. Gottfried Böhm (Foto: picture alliance / dpa | Raphael Beinder)

Das Erbe Gottfried Böhms

Barbara Grech   10.06.2021 | 12:35 Uhr

Er hat im Saarland seine Spuren hinterlassen. Der Star-Architekt Gottfried Böhm. Jetzt ist er mit 101 Jahren gestorben. Das Saarbrücker Schloss mit seinem modernen Mittelbau ist wohl der bekannteste Bau, den wir von ihm hier haben. Gleich daneben steht das historische Museum, auch von Böhm. Tätig war er aber auch in Kirchen in Saarlouis, auf dem Rodenhof oder in Püttlingen.

Er war der erste Preisträger des renommierten Pritzer-Preises, quasi der Nobelpreis für Architektur. Gottfried Böhm hat ohne Zweifel den Kirchenbau, aber auch den Bau von öffentlichen Gebäuden in Deutschland geprägt.

Das Alte mit dem Neuen verbinden. Dafür wurde er weltweit geachtet und auch hier im Saarland sieht man die Zeugnisse dieser architektonischen Überzeugung. Man denke nur an den Mittelbau des Saarbrücker Stadt-Schlosses, mit dem er die barocken Teile des Gebäudes in die Gegenwart führte ohne den Respekt vor den historischen Gemäuern über Bord zu werfen, so Peter Michael Lupp, Kulturbeauftragter des heuigen Schlossherren, des Regionalverbandes

Gegen Widerstände

Das alles geschah gegen den Widerstand der Öffentlichkeit. Die meisten Saarländerinnen und Saarländer hätten nämlich gerne einen originalgetreuen Nachbau des zerstörten Schlosses gehabt. Aber Gottfried Böhm blieb standhaft, überzeugte die Verantwortlichen und schummelte sich mit nicht ganz offengelegten Plänen durch, wie er später zugab.

Der Zweck heiligt die Mittel. Heute gibt es kaum jemand, der sich noch über die Gestaltung des Stadt-Schlosses beschwert. Aus Alt mach Neu, das war auch die Devise von Böhm bei den Kirchen, die er in der Nachkriegszeit im Saarland gebaut beziehungsweise an- und umgebaut hat.

Architekten-Dynastie

Neben den modernen Beton-Kathedralen in Saarbrücken-Rodenhof oder in Sulzbach Neuweiler, schuf er nach diesem Motto beispielsweise in Püttlingen die katholische Liebfrauenkirche, in dem den vorhandenen Bau mit einer kühnen Beton-Struktur verband. Es war sein erstes Bauprojekt im Saarland, das er noch mit seinem Vater, Dominikus Böhm, realisierte. Denn die Böhms sind eine Architekten-Dynastie, auch drei seiner vier Söhne sind Architekten

Böhms skulpturaler, bildhauerischer Ansatz sind in vielen seiner Gebäude zu sehen, wie beispielsweise im Anbau der katholischen Kirche St. Ludwig in Saarlouis. Diese Betonarchitektur wird im Fachjargon oft "Brutalismus" genannt. Ein Begriff, den Gottfried Böhm immer mächtig geärgert hat. Seine Bauten sollten Wärme ausstrahlen und die Menschen sich in dieser Architektur wohl fühlen. Das ist Gottfried Böhm meistens gelungen.

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