Biene an einer Blüte (Foto: dpa)

Bienenfutter statt Kaugummi

Eva Lippold   12.11.2020 | 16:30 Uhr

Jedes Kind weiß, dass es den Insekten nicht gut geht. Und auch, dass wohl nur der Umbau der Landwirtschaft das Bienensterben wird aufhalten können. Und doch kann jeder Einzelne ein wenig dabei helfen und etwas tun – und zwar vor der eigenen Haustür. Daran sollen jetzt neue Bienenfutterautomaten erinnern, aus denen Bürger sich Saatmischungen oder Blumenknollen ziehen können, um sie auf Balkon oder im Garten zu pflanzen.

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Bienenfutter statt Kaugummi
Audio [SR 3, Eva Lippold, 12.11.2020, Länge: 03:17 Min.]
Bienenfutter statt Kaugummi

Früher hingen sie an jeder Straßenecke, heute sieht man sie nur noch selten: Kaugummiautomaten. Nun erfahren sie eine Rennaissance - im neuen Outfit und für einen ganz anderen Zweck. Quietschgelb, mit Blumen und Bienen dekoriert und mit Samen und Blumenknollen gefüllt. Die Kaugummiautomaten wurden zu Bienenfutterautomaten umfunktioniert. Denn die Wildbienen brauchen dringend Hilfe. Die Hälfte aller Wildbienenarten in Deutschland ist vom Aussterben bedroht, weil es immer weniger Blumen und Blüten gibt.

Video [aktueller bericht, 12.11.2020, ab Minute: 20:39]
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Bereits im Mai diesen Jahres wurde ein solcher Bienenfutterautomat in Urweiler bei Sankt Wendel in Betrieb genommen. Es war der erste seiner Art im Saarland. Nun sollen weitere folgen.

Bienenfutterautomaten für alle Landkreise

Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost fand die Idee nämlich so gut, dass er direkt ein Dutzend solcher Automaten von der Initiative Bienenretter e.V. bestellt hat. Diese sollen nun im ganzen Land verteilt werden. Der erste davon wurde am 12. November am Saarbrücker Schloss Regionalverbandsdirektor Peter Gillo überreicht. Für ihn muss nun nur noch ein passender Platz gefunden werden.

Und zu jedem der quietschgelben Automaten gibt es übrigens auch einen quietschgelben, umgewidmeten Briefkasten: Er soll direkt neben dem Automaten aufgehängt werden, damit die Plastikkapseln – statt auf dem Müll zu landen – direkt wieder befüllt werden können.

50 Cent kostet die Krokusknolle aus dem Automaten. Wer sich einen solchen Automaten aufhängt, verdient daran nicht viel – mit dem Erlös lassen sich allenfalls die Kosten decken. Finanziell will sich das Ministerium daher an Wartung und Wiederbefüllung der Automaten beteiligen.

Kein Alleinmittel, aber eine auffallende Erinnerung

Ein Automat für Bienenfutter - eine rundherum schöne Idee. Nur klar ist auch: Mit Bienenfutterautomaten allein kann man das Sterben der Wildbienen nicht aufhalten. Ein Knackpunkt ist hierbei die Landwirtschaft. Sie sei ein Teil des Problems beim Insektensterben, es gebe aber noch viele andere, sagt Jost. Die Landwirtschaft löse ihren Anteil ein und sei dabei, an der einen oder anderen Stelle noch nachzusteuern. Und immerhin betrage der Anteil der ökologischen Landwirtschaft im Saarland 20 Prozent - das sei doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

In jedem Fall erinnern die knatschgelben Kästen jeden, der an ihnen vorbeiläuft, daran, dass er selbst etwas tun kann, damit es Bienen und Insekten besser geht. Nun sollen zunächst alle zwölf Automaten auf die sechs Landkreise verteilt werden, ein weiteres Dutzend ist bereits bestellt. Und auch Kommunen, Vereine und Schulen sind aufgerufen, sich an dem Projekt zu beteiligen - damit's im Frühling in vielen saarländischen Gärten summt und brummt.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 12.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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