Zuhause bei Familie Batal (Foto: SR)

Homeoffice: Fluch oder Segen

mit Informationen von Lena Schmidtke   02.04.2020 | 07:47 Uhr

Keiner von uns hat es gerade leicht – Paare im Homeoffice sind da keine Ausnahme: So lange aufeinander zu hocken ist eine echte Belastung. Kann aber auch eine Chance sein, sich mal wieder Zeit füreinander zu nehmen und die Beziehung aufzufrischen.

Beziehungen in Coronazeiten
Audio [SR 3, (c) SR/Lena Schmidtke, 02.04.2020, Länge: 02:35 Min.]
Beziehungen in Coronazeiten
Viele von uns müssen im Homeoffice arbeiten, auch viele Paare! Ist doch ganz schön, mal viel Zeit miteinander zu verbringen? Oder gehen wir uns dann schnell auf den Keks? SR-Reporterin Lena Schmidtke hat nachgefragt.

"Zweisamkeit ist ja immer schön. Und wir sind jetzt ja schon sehr lange zusammen und das macht uns gar nix aus in diesem Sinne. Wir gehen uns da nicht auf die Nerven, wir entspannen“, sagt Friseur Toni aus Saarbrücken. Er und seine Frau Ingrid kochen gemeinsam, werkeln im Garten, gehen spazieren – sie genießen die gemeinsame Zeit. Selbstverständlich ist das in Coronazeiten nicht, denn die meisten von uns sind äußerst angespannt: "Wir sind konfrontiert mit einer existentiellen Unsicherheit, mit unserer Endlichkeit, mit dem, dass wir etwas nicht mehr unter Kontrolle haben. Wir wissen nicht: wie wird das weiter gehen danach? Und das ist eine belastende Situation“ meint Diplompsychologin und Paartherapeutin Felicitas Lenz.

Deswegen ist es wichtig, dass jeder Zeit für sich hat: "Sozusagen für die Psychohygiene, dass jeder mal guckt, was er für sich machen kann: dass es trotzdem Ausweichmöglichkeiten gibt, sei es durch spazieren gehen oder durch Sport oder durch Aktivitäten, die jetzt halt noch möglich sind.“ Auch Hotelfachfrau Nina und ihr Mann sind seit knapp eineinhalb Wochen zuhause: sie im Zwangsurlaub, er im Homeoffice. Nina findet die neue Situation eigentlich ganz spannend: "Es ist so ein bisschen wie Urlaub. Ich bin mal gespannt, wie das ist, wenn das noch lange so bleibt. Ich hab noch nicht das Bedürfnis meinen Mann zu erschlagen… noch nicht!“

Viel miteinander reden

Paartherapeutin Felicitas Lenz rät, viel miteinander zu reden und nicht alles in sich hineinzufressen: „Auch mal Gespräche, die über die Organisation des Alltags hinausgehen. Ich meine: echte Gespräche, die mich und den anderen wirklich betreffen. Das kann zu einer ganz neuen Nähe führen.“ Also: Corona als neue Chance für Paare? Ja! „Ich sag mal nur das Stichwort: neue Flitterwochen! Man kann sich neu kennenlernen. Also auch als Paar, man kann gemeinsame Interessen entdecken, sehen, dass es Spaß macht zu kochen. Oder irgendwas anderes.“, so Felicitas Lenz.

Auch Friseur Toni und seine Frau haben schon neue Beschäftigungen ausprobiert – mit Erfolg: „Was wir gemacht haben, unsere Bildersammlung durchforstet. Haben viel Spaß gehabt. Das war fast ein Tag, an dem wir allein damit verbracht haben. Nochmal rückblickend die ganzen Familienfotos angesehen. Das war auch schön.“

Über dieses Thema wurde auch auf SR3 Saarlandwelle in der Sendung "Guten Morgen" am 02.04.2020 berichtet.

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