Stufen am Bahnhof in Friedrichsthal (Foto: SR/Frederic Graus)

Zahlreiche DB-Bahnhöfe im Saarland nicht stufenfrei

mit Informationen von Frederic Graus   18.08.2021 | 14:45 Uhr

Bis zum 1. Januar 2022 muss der Nahverkehr in Deutschland vollständig barrierefrei sein. Das sieht ein Abkommen der Vereinten Nationen vor, dem Deutschland bereits 2009 zugestimmt hat. Doch schon jetzt ist klar: Dieses Ziel wird deutlich verfehlt - auch im Saarland.

Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) sind rund 40 Prozent der DB-Bahnhöfe im Saarland nicht stufenfrei zu erreichen. Für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, ist so ein selbstbestimmtes Reisen nahezu unmöglich. Auch andere Zugreisende, wie etwa Radfahrer werden vor Probleme gestellt.

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Zahlreiche DB-Bahnhöfe im Saarland nicht barrierefrei
Audio [SR 3, Frederic Graus, 18.08.2021, Länge: 03:13 Min.]
Zahlreiche DB-Bahnhöfe im Saarland nicht barrierefrei

Bahnhof in Friedrichsthal bietet keine Barrierefreiheit

Seit Jahren rottet das Bahnhofsgebäude in Friedrichsthal vor sich hin, mittlerweile ist es weiträumig abgesperrt, denn es herrscht Einsturzgefahr. Zwar prangt noch das rot-weiße Logo der Deutschen Bahn am Bahnhof. Der Konzern hat das Gebäude aber bereits vor etlichen Jahren verkauft. Seitdem wechselte der Bahnhof mehrmals den Besitzer, passiert ist in all den Jahren aber nichts - und so ist der Bahnhof mittlerweile zu dem Schandfleck in Friedrichsthal geworden.

Bahnhof in Friedrichsthal (Foto: SR/Frederic Graus)
Bahnhof in Friedrichsthal

All das ist auch ein großes Problem für Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, denn die Bahngleise sind nur nach einem steilen Berganstieg und zahlreichen Treppenstufen zu erreichen. Dunja Fuhrmann vom Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. sitzt selbst im Rollstuhl und ist in ihrem Alltag ständig mit solchen Problemen konfrontiert.

„Niveau-gleicher Einstieg“ häufig nicht möglich

Die Deutsche Bahn verantwortet insgesamt 77 Bahnhöfe im Saarland – nach Angaben des Konzerns sind davon rund 60 Prozent stufenfrei erreichbar. Eine vollständige Barrierefreiheit bedeutet das aber nicht. Denn dazu zählt unter anderem ein sogenannter „niveau-gleicher Einstieg“ vom Bahnsteig in den Zug – und der ist häufig nicht möglich: "Je nachdem, wie hoch ein Bahnsteig ist, kann es sein, dass man mal 20 cm überbrücken muss", so Dunja Fuhrmann. So komme man selbst gar nicht in den Zug rein.

Auch für Radfahrer ein Ärgernis

Fehlende Rampen, defekte Aufzüge – nicht nur für Menschen im Rollstuhl, sondern auch für Fahrradfahrer ein Ärgernis. Auch Jan Messerschmidt vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) im Saarland sieht großen Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit der saarländischen Bahnhöfe. Ein wichtiger Punkt sei, dass man mit dem Fahrrad an den Zug kommt, so Messerschmidt. Es müsse hier dann zumindest eine Schiebehilfe geben, dass man das Rad nicht tragen muss.

Ein weiteres Problem sei aber auch, dass nicht alle Züge ausreichend viel Kapazität haben, um Fahrräder mitzunehmen.

Zudem bemängelt Messerschmidt, dass es für Pendler, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, zu wenige Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen gibt.

Barrierefreier Ausbau von Bahnhöfen

Immerhin: In den kommenden Jahren will die Deutsche Bahn weitere Stationen im Saarland barrierefrei gestalten. Für Dunja Fuhrmann wird das auch allerhöchste Zeit: "Wir haben seit 1994 im Grundgesetz stehen, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf". Mangelnde Barrierefreiheit sei aber eine Diskriminierung und deshalb müsse sie auch beseitigt werden.

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Weiter große Mängel
Nur wenige Bahnhöfe sind barrierefrei
Nur zwölf Prozent der saarländischen Bahnhöfe sind weitgehend barrierefrei. Das geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung hervor. Demnach hat sich die Situation in den vergangenen zwei Jahren kaum verbessert.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 18.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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