Der Schäfer Wilfried Benz (Foto: SR / Marie Kribelbauer)

Aussterbende Berufe: Schäfer, Bergmann, Bäcker & Co.

Interview: Michael Friemel/Onlinefassung: Corinna Kern   04.01.2023 | 08:46 Uhr

Der Förderverein der Deutschen Schafhaltung hat Alarm geschlagen. Der Beruf des Schäfers sterbe aus. Zu viel Bürokratie, die steigende Wolfpopulation und eine teure Ausbildung machen den Beruf unattraktiv. Doch nicht nur die Schäfer blicken in eine ungewisse Zukunft, auch die Berufe des Bäckers und Kassierers stehen auf der Kippe.

"Die letzten ihrer Art - Handwerk und Berufe im Wandel": Unter diesem Titel läuft noch bis zum 2. April eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn. Henriette Pleiger ist die Kuratorin und setzt Berufe in den Fokus, die es in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht mehr geben wird.

Fünf Berufe werden in der Ausstellung vorgestellt, darunter auch der des Bergmanns. Ein Beruf, der im Saarland durch das Ende des Bergbaus, bereits nicht mehr existiert.

Verdrängung durch Digitalisierung

Drei Berufe werden in der Ausstellung vorgestellt, die es noch gibt: der Bäcker, der Kassierer und der Schneider. Die Zukunft dieser drei Berufsgruppen sei jedoch gefährdet, sagt Kuratorin Pleiger. Alle drei Jobs haben sich sehr verändert - durch Automatisierung, Digitalisierung und Globalisierung.

Folgen der Massenproduktion

Durch fertige Backmischungen und den Einsatz von Maschinen geht das Bäckerwissen verloren. Und auch an vielen Supermarktkassen können die Kunden mittlerweile selbstständig scannen und zahlen. Die Zukunft wird daher auch unkommunikativer.

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Berufsgruppen vor dem Aus
Audio [SR 3, Moderation: Michael Friemel/im Gespräch: Henriette Pleiger, 04.01.2023, Länge: 04:16 Min.]
Berufsgruppen vor dem Aus

Auch das Schneiderhandwerk stirbt aus. Veränderungen in der Textilbranche sind seit langem festzustellen. Die Produktion findet überwiegend auf dem asiatischen Kontinent statt. In Europa werden kaum noch komplette Kleidungsstücke genäht. Mit dem Bäcker und dem Schneider wird in Zukunft ein sehr altes kulturelles Wissen verloren gehen.

Welcher Job hat noch Zukunft?

Pleiger empfiehlt hier den sogenannten "Job-Futoromaten" der Arbeitsagentur. Dort könne man den Berufs- oder Ausbildungswunsch eingeben und erfahre in einer Art Vorhersage, ob der Beruf auch noch in mehreren Jahrzehnten existieren wird.

Schäfer auf der Roten Liste

Wahrscheinlich keine Zukunft wird der Beruf des Schäfers haben. 2019 war das GuMo-Mobil bei Familie Benz aus Mosberg-Richweiler. Sie hüteten damals gut 300 Schafe. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren sie eine der letzten drei Schäferfamilien im Saarland und damit "auf der Roten Liste", so Schäfer Willy.

Die Angst vor dem Wolf war bereits vor drei Jahren bei Familie Benz groß. Auch wenn es 2019 keine Wölfe im Saarland gab. Die Gefahr, so Willy, bestehe darin, dass der Wolf die Schafherde erschrecke und die Tiere flüchten. Laufen die Tiere auf die Straße, könne es zu Unfällen kommen. Ob und wann der Beruf des Schäfers aussterben wird, wird die Zukunft zeigen.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 04.01.2023 auf SR 3 Saarlandwelle

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