Städtisches Museum Saarlouis (Foto: SR)

Holocaust-Ausstellung in Saarlouis

Patrick Wiermer / Onlinefassung: Rebecca Lambert   21.01.2023 | 12:30 Uhr

230.000 Kinder, Jugendliche und Babys wurden bis 1945 in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Nur 750 von ihnen überlebten den Nazi-Terror. Der Journalist Alwin Meyer hat sich über 40 Jahre auf die Suche nach ihnen gemacht – und ihre Geschichten aufgeschrieben. Vom 19. Januar bis zum 19. Februar 2023 sind sie in den Räumen des städtischen Museums in Saarlouis zu sehen.

Nur 750 der über 230.000 deportierten Kinder überlebten die Ereignisse in Ausschwitz. Journalist Alwin Meyer hat sie gesucht und ihre Geschichten aufgeschrieben. „Vergiss Deinen Namen nicht - Die Kinder von Auschwitz“ heißt sein Buch. Die Geschichten der überlebenden Kinder sind jetzt auch in einer Ausstellung zu lesen, die am 19. Januar im städtischen Museum in Saarlouis eröffnet wurde.

Audio

Holocaust-Ausstellung in Saarlouis
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 21.01.2023, Länge: 03:15 Min.]
Holocaust-Ausstellung in Saarlouis

Der Journalist Alwin Meyer kam Anfang der 70er Jahre zum ersten Mal in die Gedenkstätte Auschwitz. Besonders das Schicksal der Kinder hatte den damals 21-Jährigen berührt. Aus diesem Grund hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die überlebenden Kinder ausfindig zu machen. Wenn wir uns nicht erinnern, bestehe die Gefahr, dass es sich wiederhole sagt er.

Nur wenig Überlebende

Die meisten Kinder, die nach Auschwitz kamen, wurden direkt nach der Ankunft getötet. Nur 750 Kinder haben das Konzentrationslager überlebt. Darunter war Lidia, die ausgehungert und mit erfrorenen Beinen zu ihrer Adoptivmutter Bronislawa Rydziekowska gekommen sei. Auch ihre Erinnerungen hat Alwin Meyer aufgeschrieben.

Das Lebenswerk

Die Suche nach den Überlebenden war aber nicht immer leicht für ihn. Es wurde Meyers Lebenswerk. Er wollte vier, fünf oder sechs Kinder suchen und über sie schreiben, sagt er. Doch viele der Überlebenden wollten in den 70er Jahren noch nicht mit Deutschen reden.

Der polnische Holocaust-Überlende Tadeusz Szymanski konnte einige Türen öffnen. Es brauchte aber auch danach noch viel Geduld und Einfühlungsvermögen, bis die Überlebenden genug Vertrauen aufbrachten, um Meyer ihre Geschichte zu erzählen.

Berührende Begegnungen

Die Gespräche sind nicht spurlos an dem Journalisten vorbeigegangen. Die Interviews erzeugten schlaflose Nächte, sagt er. Er habe nach einigen auch geweint.

Die Menschen berichteten von Grausamkeit und dem Terror der Selektion nach der Ankunft in Auschwitz. Kinder erlebten die Hinrichtungen ihrer Geschwister und Eltern mit. Sie mussten Sklavenarbeit, Kinderprostitution und medizinische Experimente durchleben.

Doch mehr als um das Erlebte, ginge es um das Danach und den Umgang der Menschen mit diesen Erfahrungen. Gerade im Alter kämen diese Erinnerungen mit immer größerer Wucht zurück, sagt Meyer, besonders wenn die Kinder groß und aus dem Haus seien.

Neue Leben und tiefe Freundschaften

Die meisten Überlebenden seien vom Überlebenswillen geprägt. Sie haben eine Schule besucht, studiert und Familien gegründet. Den meisten sei es wichtig gewesen, zu zeigen, dass sie noch da sind, sagt Meyer.

Die Ausstellung zeigt aber auch, wie trotz der schlimmsten Ereignisse immer noch eine Annäherung gelingen kann. Meyer selbst pflegt immer noch engsten Kontakt zu einigen Überlebenden. Manche Kinder konnte er 25 Mal seinem Leben treffen. Wenn die Kinder Geburtstag haben, dann haben sie angerufen, sagt er. Und das habe er nicht für möglich gehalten nach all dem, was Deutsche ihren Familien angetan hatten.

"Die Kinder von Auschwitz"

Die Kreisstadt Saarlouis präsentiert die Ausstellung "Die Kinder von Auschwitz" in der Zeit vom 19. Januar bis zum 19. Februar 2023 in den Räumen des Städtischen Museums Saarlouis. Dort sind die Erinnerungen und Schicksale auf 38 Schautafeln zu lesen.

Ein Thema aus der Sendung "Region am Mittag" am 21.01.2023 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja