Ausstellung "100 Jahre Frauen in juristischen Berufen" (Foto: Foto: Eva Lippold)

Die Ausstellung "100 Jahre Frauen in juristischen Berufen"

Geschichte der Juristinnen im Saarbrücker Landgericht

Mit Informationen von Eva Lippold   26.09.2022 | 10:37 Uhr

Erst seit 100 Jahren sind Frauen in juristischen Berufen zugelassen. Und bis heute sind in höheren Hierarchien sehr wenige Frauen zu finden, oft bekommen sie auch weniger Geld als Männer. Den langen und unvollendeten Kampf für die Teilhabe von Frauen an Rechtsprechung und Gesetzesbildung dokumentiert die Ausstellung "100 Jahre Frauen in juristischen Berufen“ im Saarbrücker Landgericht.

Vor 1922 durften Frauen zwar schon seit ein paar Jahren "zum Spaß" Rechtswissenschaften studieren, zunächst aber nach erfolgreichem Studium noch lange nicht die wesentlichen juristischen Berufe ergreifen.

Audio

Die Ausstellung „100 Jahre Frauen in juristischen Berufen“
Audio [SR 3, Eva Lippold (c) SR, 26.09.2022, Länge: 03:14 Min.]
Die Ausstellung „100 Jahre Frauen in juristischen Berufen“

Im Wartebereich des Saarbrücker Landgerichts hängt die Ahnengalerie der Saarbrücker Landgerichtspräsidenten zwischen 1880 und 2005 – nicht eine einzige ist Frau darunter.

Langer Kampf bis Frauen Recht mitgestalten durften

Tatsächlich haben Sirin Özfirat und ihre Mitstreiterinnen vom Landesverband des Deutschen Juristinnenbunds die Ausstellung mit voller Absicht genau gegenüber aufgebaut – denn sie dokumentiert den langen Kampf von Juristinnen dafür, dass Frauen Recht mitgestalten können. Bis 1922 waren Frauen von juristischen Berufen ausgeschlossen und damit auch von der Möglichkeit, Recht zu gestalten.

In Wahrheit sind es aber noch nicht einmal hundert Jahre, dass Frauen in Deutschland zu juristischen Berufen zugelassen sind. Zwischen 1933 und 1945 haben die Nationalsozialisten ihnen dieses Recht wieder entzogen.

Video [aktueller bericht, 26.09.2022, Länge: 3:32 Min.]
Ausstellung zeigt Frauen in juristischen Berufen

Meilensteine deutscher Gesetzgebung

Die Ausstellung dokumentiert auch, dass der Deutsche Juristinnenbund maßgeblich für Meilensteine deutscher Gesetzgebung auf dem Weg zur Gleichberechtigung verantwortlich ist. Wie für die Reform des Sexualstrafrechts 2016, bekannt unter dem Grundsatz „Nein heißt Nein“.

Juristinnen des Deutschen Juristinnenbunds waren Wegbereiterinnen dafür, dass 1980 Diskriminierung am Arbeitsplatz verboten wurde, dass 1997 Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde - oder, dass Frauen seit 2015 Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe an Führungspositionen in Privatwirtschaft und öffentlichem Dienst haben.

Auch große saarländische Juristinnen werden in der Ausstellung vorgestellt. Wie Erika Scheffen, die erste Frau und Richterin in der saarländischen Justiz. 1969 wurde sie aus dem Saarland ans Bundesverfassungsgericht berufen. Und auch sie hatte ihre Probleme mit der Männerwand im Saarbrücker Landgericht: Jahrelang hatte sie sich vergeblich bemüht, dass das Bild des Landgerichtspräsidenten Georg Beutner, einem überzeugten Nationalsozialisten, abgehängt wird. Dies gelang erst 1988.

Auch heute noch Kampf um Gleichberechtigung

Der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Obwohl mehr Frauen Jura studieren und statistisch mit besseren Noten abschließen als Männer, sind sie in Führungspositionen immer noch schlecht vertreten. Auch im Saarland liegt der Anteil von Richterinnen und Staatsanwältinnen bei nur 27 Prozent. In der Lehre sieht es ähnlich aus: Obwohl viele Juristinnen promovieren, sind Jura-Professorinnen immer noch selten.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 26.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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