Ein Kind sitzt auf einer Schaukel vor Sozialwohnhäusern (Foto: dpa/Rolf Vennenbernd)

Armut gefährdet die Gesundheit

Steffani Balle / Onlinefassung: Andree Werner und Axel Wagner   17.06.2020 | 13:11 Uhr

Ärzte, und mindestens eine Krankenkasse schlagen Alarm: arme Menschen haben ein höheres Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Auch der Krankheitsverlauf ist meistens schwerer.

Armut erhöht Corona-Risiko
Audio [SR 3, Steffani Balle, 17.06.2020, Länge: 03:08 Min.]
Armut erhöht Corona-Risiko

Momentaufnahme am Bürgerhaus Burbach: Hier verteilen freiwillige Helfer kostenlos das Schulobst, das momentan ja nicht am vorgesehenen Ort ausgegeben werden kann, an Bedürftige. Mit Maske und brav hinter den abgeklebten Linien für die Wartenden stellen sich die Abholer in die Reihe vor der Ausgabestelle. Die Corona-Regeln kennen sie alle: regelmäßig Hände waschen, Mundschutz, keine großen Mengen, möglichst zuhause bleiben.

Gesundes Essen ist teuer

Obwohl es offensichtlich nicht am Verständnis für die Schutzmaßnahmen mangelt, gehören die Wartenden zum besonders gefährdeten Personenkreis für einen schweren Verlauf von Covid-19, wenn sie sich infizieren würden. Das besagt die aktuelle Studie der Uni Düsseldorf mit Daten von über einer Million Versicherten der AOK. Das Immunsystem gilt als ein Schlüsselfaktor für die Schwere der Erkrankung.

Und das erhält man fit, unter anderem mit gutem, gesundem Essen – schwierig bei Geldnot, sagt Manfred Klasen. „Ganz am Anfang der Coronakrise war es so, dass zum Beispiel bestimmte Produkte ausverkauft waren und man deshalb zu teureren greifen musste“, so der Geschäftsführer der Armutskonferenz des Saarlands. „Teilweise war die Tafel zu, jetzt ist sie wieder offen. Teilweise ist es so, dass Kinder zum Beispiel an Schulen im Moment nicht an ein Mittagessen kommen.“

Armutskonferenz fordert Aufstockung

Die saarländische Armutskonferenz schließt sich deshalb der Forderung mehrerer Initiativen für eine Aufstockung von 100 Euro im Monat für alle Sozialhilfeempfänger an. Das wäre eine Hilfe, bestätigt die wartende Penka Mancheva. Alles sei so teuer geworden, klagt sie, Viele Produkte kosteten rund 30 Prozent mehr. Besonders das Gemüse sei teuer.

Das kostenlose Obst und Gemüse, dass sie sich zweimal die Woche abholen kann, hilft da schon sehr. Heute gibt's Orangen und Karotten. Die werden teilweise schon gleich vor Ort ausgepackt und genüsslich in der Sonne sitzend verspeist. Dabei ergibt sich auch das ein oder andere Gespräch mit Nachbarn, die man in letzter Zeit eher seltener trifft als sonst. Geselligkeit, die fehlt. Die psychische Komponente – auch die belastet das Immunsystem und führt zu höherem Krankheitsrisiko.

Arme sparen an Schutzmasken

Und schließlich, wenn das Geld knapp ist, wird trotz der Einsicht, dass es eigentlich notwendig ist, an der Schutzausrüstung gespart, sagt der Bundesvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtverbands, Ulrich Schneider, dem SR. „Da ist das Geld, beispielsweise für Einmalmasken, so üppig nicht da. Und das führt dann häufig dazu, dass diese Einmalmasken mehrfach getragen werden.“

Besonders gefährdet in dem Zusammenhang sind Menschen in Sammelunterkünften und die rund 40.000 Obdachlosen in Deutschland. Rund 100 leben im Saarland. Manfred Klasen weiß, „dass zum Beispiel Menschen, die die obdachlos oder so naturgemäß, wenn sie denn zusammenkommen, schon etwas enger zusammen sind“.

Die Auswirkungen sind fatal. Der Grund immer der gleiche: Armut.

Audio

Armut gefährdet die Gesundheit
Audio [SR 3, (c) SR 3, 17.06.2020, Länge: 02:56 Min.]
Armut gefährdet die Gesundheit

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 17.06.2020.

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