Kinder in einer Ganztagsschule (Foto: Pasquale d´Angiolillo)

Die Grundschulreform vor 20 Jahren

Stephan Deppen   11.11.2019 | 12:55 Uhr

1999 hatte Peter Müller mit der CDU überraschend die Landtagswahl gewonnen. Damit einher ging die Beförderung des ehemaligen Realschullehrers Jürgen Schreier zum Bildungsminister des Saarlandes. Mit ihm sind vor allem zwei Reformen verbunden: das achtjährige Gymnasium und die Grundschulstrukturreform. Letztere hatte Anfang der 2000er Jahre tausende Saarländerinnen und Saarländer zum öffentlichen Protest angestachelt. Und wie sieht die Siutation heute aus?

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ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung": Die Grundschulreform
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 11.11.2019, Länge: 03:09 Min.]
ARD-Themenwoche "Zukunft Bildung": Die Grundschulreform

Januar 2005, April 2005: Monate des Protestes. Tausende Schüler, Eltern, Politiker und eine neu formierte Landesinitiative rettet die Grundschulen machten mobil, zogen durch die Saarbrücker Innenstadt demonstrierten vor dem Landtag, vor der Staatskanzlei.

Die Grundschulreform von Bildungsminister Schreier war Stein des Anstoßes - der drastische Schülerrückgang von rund 12000 Schulanfängern 1997 auf rund 9000 nur wenige Jahre später zwangen zum Handeln. Rund ein Drittel der Grundschulen sollte wegfallen. Die Eltern kritisierten die Pläne, der Minister hielt jedoch daran Plänen fest. 17,5 Millionen Euro wollte er über die Reform einsparen, 7,5 Millionen für mehr Qualität wieder an die verbleibenden Schulen zurückgeben.

Zweizügigkeit: dieses Kriterium für den Erhalt einer Grundschule war der Knackpunkt. Mindestens zwei Klassen pro Jahrgang war die bestimmende Größe. Einige Grundschulstandorte blieben erhalten, aber nicht mehr selbständig, sondern als Dependancen.

2004/2005 hatte es im Saarland noch 269 Grundschulen gegeben, heute sind es 161. 80 Schulen wurden geschlossen, 20 sind nun dauerhafte Dependancen. Die Zweizügigkeit wurde dann wieder abgeschafft. Die durchschnittliche Klassengröße hatte sich durch die Reform nur leicht nach oben bewegt - wenn es auch einzelne Standorte mit deutlich größeren Klassen als zuvor gab. Viele Gemeinden standen dann vor dem Problem, Fahrdienste für Grundschüler zu organisieren und plötzliche leer stehende Schulgebäude zu bespielen.

Heute stellt sich die Situation wieder verändert dar: Die Zahl der Grundschüler steigt wieder. Das heißt: An manchen Standorten wird der Platz knapp eine Renaissance für ehemalige Schulgebäude?

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 11.11.2019 auf SR 3 Saarlandwelle

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