Eine Pflegekraft hält in einem Seniorenheim die Hand einer Bewohnerin (Foto: dpa/Daniel Reinhardt)

Wege aus der Care-Krise

ARD Themenwoche Gerechtigkeit

Eva Lippold   16.11.2018 | 12:30 Uhr

Zu einer lebenswerten, gerechten Gesellschaft gehören nicht zuletzt die Pflege und die Sorge für Menschen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Doch gerade die Berufe, die dafür Sorge tragen, dass es diesen Menschen gut geht, sind so schlecht bezahlt, dass kaum noch jemand sie ausführen mag - und Männer schon gar nicht. Wie könnte es anders laufen? SR-Reporterin Eva Lippold über Wege aus der Care-Krise.

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ARD Themenwoche: Wege aus der Care-Krise
Audio [SR 3, Eva Lippold, 16.11.2018, Länge: 03:18 Min.]
ARD Themenwoche: Wege aus der Care-Krise

Von Kinderbetreuung bis Altenpflege - wer das Betreuen und Pflegen zu seinem Beruf gemacht hat, trägt eine hohe Verantwortet, arbeitet aber meist unter hohem Druck und das für wenig Geld. Oftmals so wenig, dass es nicht zum leben reicht.

"In Deutschland wird der Dienst an der Sache besser vergütet als der Dienst am Menschen", sagt Verdi Geschäftsführer Thomas Müller. Und das müsse geändert werden. Darin sind sich inzwischen viele einig. Die sogenannte Care-Krise ist in aller Munde und ist von Pflege die Rede, folgt schnell das Wort "Notstand".

Gesellschaftliches Umdenken notwendig

Auch Margit Brückner, emeritierte Soziologie-Professorin aus Frankfurt, fordert ein Umdenken. Das Grundproblem sei, dass Pflege, Sorge, Erziehung in unserer Gesellschaft zu wenig wertgeschätzt würden. "Was für uns wichtig ist, ist Selbstopimierung. Ich bin selbständig, ich brauche niemanden und wenn doch, kann ich es mir kaufen" - das sei die Maxime, die in unserer Gesellschaft gelte.

Pflege und Sorge geht uns alle an

Um dem entgegen zu steuern, hat Brückner zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Initiative "Care macht mehr" gegründet. Ideen, wie es anders laufen könnte, gibt es genug. Brückner plädiert unter anderem für Modelle, in denen sich die Sorge für andere und für sich selbst besser mit dem Beruf vereinen lässt. Dies könnten zum Beispiel Pflegezeitkonten auf Lebenszeit sein – mit denen wir, wenn wir es brauchen, Auszeiten nehmen können. Das dies kostet, ist auch Brückner klar. Aber sie sagt: "Es ist den Preis wert, (...) denn wir alle durchlaufen Lebensphasen, in denen wir jemanden brauchen." Pflege und Sorge geht also uns alle an.

Über dieses Thema wurde auch inder Region am Mittag am 16.11.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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