Antikörpertests für Privatleute in einem Ingenieurbüro in Homburg: MTA Petra bei der Blutabnahme (Foto: SR/Steffani Balle)

Wie sicher sind die Corona-Antikörpertests?

Steffani Balle   19.05.2020 | 12:15 Uhr

War das da im Winter jetzt „nur“ eine normale Grippe oder hatte ich Covid-19? Diese Frage stellen sich derzeit viele Menschen. Ein Antikörper-Test soll Klarheit bringen - das zumindest erhoffen sich diejenigen, die ihn derzeit machen lassen. Bei der Privatinitiative eines Homburger Ingenieurbüros für Arbeitssicherheit war am 18. Mai, dem ersten Tag der Aktion, jedenfalls schon einiges los. Doch wie zuverlässig sind die Testergebnisse?

Wie sicher sind die Corona-Antikörpertests?
Audio [SR 3, Steffani Balle, 19.05.2020, Länge: 03:07 Min.]
Wie sicher sind die Corona-Antikörpertests?

Am 18. Mai startete das Homburger Ingenieurbüro für Arbeitssicherheit mit seinem Angebot an Privatpersonen, Corona-Antikörpertests durchzuführen. 40 bis 50 Blutabnahmen schafft das Ingenieurbüro am Tag und bereits am Mittag waren alle Termine für die Woche vergeben. Die Proben werden nach St. Ingbert ins Labor geschickt, zwei Tage später bekommt man die Auswertung. Gebühr: 50 Euro.

Die Fehlerquote

Die Aussagekraft der Antikörper-Tests, die es derzeit auf dem Markt gibt, ist jedoch nicht hundertprozentig. Der Homburger Virologe Jürgen Rissland jedenfalls ist skeptisch. Wenn man Antikörper nachweisen könne, könne man zunächst davon ausgehen, dass ein Kontakt stattgefunden habe. Dies sei aber noch kein Nachweis, dass es einen Schutz gebe. "Das sind zwei Paar Schuhe", sagt er. Er müsste die Daten selbst sehen, um zu beurteilen, wie wertig der Antikörpertest ist.

Die Fehlerquote bei den Antikörpertests liegt derzeit zwischen vier und fünf Prozent aller Tests, unabhängig davon, ob es sich um die Schnelltest mit einem Tröpfchen Blut auf einem Messgerät oder um die im Labor untersuchten Blutproben handelt. Ein falsches Testergebnis heißt in diesem Fall: Man glaubt, man habe Antikörper gegen das Coronavirus, hat sie aber nicht.

Diese Fehlerquote ist den Fachleuten zu hoch ist. Wohl deshalb ist die groß angelegte Antikörper-Studie des Saarlandes noch nicht gestartet. Auch der Homburger Initiator des Antikörpertests, der Chef des Ingenieurbüros Alexander von Büren, weiß um die Fehlerquote. Sein Argument: "Jeder redet davon, wir müssen testen, testen, testen, aber keiner macht es." Deshalb habe man sich entschlossen, es einfach zu anzubieten.

Rund 100 Testergebnisse hat er schon zurückbekommen, etwa jedes vierte zeigte: Es lag irgendwann eine Corona-Infektion vor. "Etwa ein Drittel wusste es vorher, zwei Drittel haben es nicht gewusst und waren höchst überrascht", so von Büren.

Antikörpertest - kein Freibrief

Dass das Testergebnis nur eine Momentaufnahme ist, dass ein positiver Antikörpertest, selbst wenn er stimmt, keine Immunität garantiert, das weiß der Ingenieur und er mahnt alle seine Kunden: Auch wenn jemand Antikörper entwickelt habe, sei dies kein Freibrief. Schutzmaßnahmen wie Hände waschen und Masken tragen müssten auch weiterhin eingehalten werden, denn es gebe noch viel zu wenig Wissen über die Antikörper und wie lange sie im Körper seien.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 19.05.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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