Meerschweinchen (Foto: pixabay)

Wenn die Tierliebe aus dem Ruder läuft

Patrick Wiermer   27.04.2021 | 09:45 Uhr

Hunde, Katzen, Ratten – viele dieser Tiere werden von einigen Menschen so geliebt, dass sie gar nicht genug von ihnen bekommen können. Im schlimmsten Fall spricht man dann von Animal Hoarding. Auch im Saarland gibt es immer mal wieder Fälle von einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Tierliebe und dann müssen die Tierschützer anrücken.

Haustiere liegen voll im Trend. Nicht nur, aber auch, wegen Corona steigt die Zahl der Haustiere immer weiter an. Insgesamt sind es mehr 30 Millionen Tiere. Doch wann wird es zuviel mit der Tierliebe?

Futter, Hygiene und Platz

"Wenn das Tierwohl gefährdet ist, dann ist der Punkt erreicht, wo man von krankhaftem Animal Hoarding sprechen kann", sagt der Diplom-Psychologe Gerd Zimmek. Dazu gehöre, dass die Tiere nicht mehr richtig gefüttert werden, in schlechten hygienischen Verhältnissen und auf beengtem Raum gehalten werden, was Stress für die Tiere bedeutet.

Kritisch werde es, wenn die Zahl der Tiere deutlich vom Durchschnitt abweicht - so definieren es Tierschützer. Der Durchschnitt liegt derzeit beispielsweise bei ein bis zwei Hunden oder Katzen.

Wichtigstes Indiz für Animal Hoarding ist aber die fehlende Hygiene. Irgendwann werde eine "kritische Masse" erreicht, die dann auch Gestank mit sich bringt.

Abwendung von den Menschen

Wenn die Tierliebe aus dem Ruder läuft
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 27.04.2021, Länge: 02:33 Min.]
Wenn die Tierliebe aus dem Ruder läuft
Die meisten von uns lieben Tiere. Doch wenn aus der Tierliebe eine regelrechte Sammelsucht wird, dann wird es problematisch. Die Halter sind immer mehr überfordert, die Tiere verwahrlosen .„Animal Hoarding“ ist der Fachbegriff dafür. Auch im Saarland gibt es immer mal wieder Fälle von einer völlig aus dem Ruder gelaufener Tierliebe und dann müssen die Tierschützer anrücken.

Was psychologisch genau hinter Animal Hoarding steckt, ist nicht ganz unumstritten. Eine Theorie besage, dass starke negative Erlebnisse durch Mitmenschen dazu führen könne, dass sich Betroffene nur noch Tieren zuwenden, sagt Zimmek. Vereinfacht gesagt: Die Tiere sind die besseren Menschen.

Betroffen sind vor allem Menschen über 45 - meist Frauen. Es seien häufig Menschen mit psychischen Störungen, vor allem Zwangs- und Persönlichkeitsstörungen. Diese seien oft sozial isoliert, so der Psychologe.

Zimmek geht davon aus, dass das Phänomen Animal Hoarding durch Corona noch verschärft wird. Viele Menschen werden immer mehr sozial isoliert, Tiere werden da noch mehr zum Ersatz für soziale Kontakte.

Wachsamkeit ist gefragt

Auch deshalb braucht es mehr Wachsamkeit, um die extremen Fälle von Animal Hoarding zu verhindern. Da sind Angehörige genau so wie Nachbarn gefragt. Wenn ein Gespräch mit dem Betroffenen nicht weiter führt, gibt es bei Animal Hoarding auch die Möglichkeit, sich an die Behörden zu wenden. Denn nicht nur der Mensch, sondern auch die Tiere sind in einer Notsituation.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 27.04.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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