Kurzarbeitergeld (Foto: picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Weniger Geld und die Hoffnung auf Besserung

Anders Arbeiten: Kurzarbeit

Karin Mayer / Onlinefassung: Jil Kalmes   26.04.2022 | 15:20 Uhr

Über 80.000 Beschäftigte im Saarland waren während den Hochzeiten der Pandemie von Kurzarbeit betroffen. Manche nur für wenige Wochen, andere aber auch länger. Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Am Nachmittag in Saarlouis am Großen Markt. Markus ist mit seinem Fahrrad gekommen. Normalerweise hätte er für solche Ausflüge keine Zeit, denn er ist als Qualitätsmesstechniker im Ford Industriepark beschäftigt. Dort im Supplier Park wird im Minutentakt gearbeitet. Normalerweise ist der Zeitdruck groß – doch seit Anfang 2020 ist alles anders.

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Anders Arbeiten: Kurzarbeit
Audio [SR 3, Karin Mayer, 26.04.2022, Länge: 03:02 Min.]
Anders Arbeiten: Kurzarbeit

Allein letztes Jahr hatte der 54-Jährige 115 Arbeitstage in Kurzarbeit verbracht. Der Grund: Es gibt immer wieder Lieferprobleme und Produktionsstopps im Fordwerk – und das bis heute. Wann sich das ändert? Das ist für Markus und seine Kollegen nicht absehbar.

Trotz Aufstockung fehlt das Geld

Wer weniger arbeitet, verdient auch weniger Geld. Trotz Aufstockung seitens des Staates bzw. des Arbeitgebers fehlen am Monatsende mehrere hundert Euro. "Wir verdienen keine Reichtümer. Wenn jemand 2000, sagen wir 2200 Euro Netto hat und dann auf einmal nur noch 1800, dann tut das weh, sehr weh", sagt er

Der Staat stockt auf maximal 80 Prozent auf – aber nur, wenn die Hälfte der Arbeitszeit ausfällt.

"Wir hängen in der Luft und wissen nicht, wie es weitergeht"

Hinzu kommt die große Unsicherheit in der Branche. Markus arbeitet bei einem Zulieferer, der Abgasanlagen herstellt. Wenn immer mehr E-Autos verkauft werden, werden neue Produkte gebraucht. Jeder habe schon gehört wie es momentan um Ford und den Wettbewerb mit Valencia stehe, sagt er.

Zu viel Freizeit: "Und dann sitzt man da"

Anstatt zur Arbeit zu gehen, haben Markus und seine Kollegen jetzt viel Zeit, sich Gedanken über ihre beruflichen Perspektiven zu machen. Nach endlosen Wochen zuhause ist die Freizeit längst nicht mehr willkommen. "Irgendwann hat man am Haus alles repariert und alles gemacht – man kann den Rasen nicht drei Mal die Woche mähen. Und dann sitzt man da."

Die Hoffnung aufgeben, das kommt für den Qualitätsmesstechniker nicht in Frage. "Man versucht, das Beste draus zu machen. Was bleibt einem schon übrig? Wir sind Saarländer, da können wir schon mit umgehen. Aber es zehrt an den Nerven."


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Wie die Pandemie die Arbeitswelt verändert hat. Ein Feature von Karin Mayer. Zu hören am Sonntag auf SR 3 Saarlandwelle.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 26.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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