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Algorithmen und ihre Risiken

Kerstin Gallmeyer   02.08.2018 | 12:30 Uhr

Algorithmen - sie können Dinge erleichtern, zum Beispiel durch Suchergebnisse, die genau auf uns zugeschnitten sind oder Einkaufsvorschläge. Wenn eine Maschine auf Basis von Algorithmen Entscheidungen trifft, dann kann das aber auch gravierende Auswirkungen haben - zum Beispiel, wenn man einen Kredit braucht oder sich um einen neuen Job bewirbt.

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Algorithmen und ihre Risiken
Audio [SR 3, Kerstin Gallmeyer, 02.08.2018, Länge: 03:03 Min.]
Algorithmen und ihre Risiken

Stellen Sie sich vor, Sie möchten eine größere Anschaffung machen und dafür einen Kredit aufnehmen. Für ein neues Auto oder für neue Wohnzimmermöbel. Die Bank lässt Ihre Kreditwürdigkeit überprüfen, zum Beispiel bei der Schufa. Alles sollte in Ordnung sein, denken Sie, denn ihre Rechnungen haben Sie immer pünktlich bezahlt. Doch die Bank sagt: Nein.

Geoscoring bei der Schufa und anderen Wirtschaftsauskunfteien?

Scoring
Beim Scoring werden anhand von gesammelten Erfahrungen aus der Vergangenheit möglichst zuverlässige Prognosen für die Zukunft erstellt. Quelle: www.schufa.de

Dahinter könnte die Entscheidung eines Algorithmus stecken. Verbraucherschützer wie Matthias Wafzig vermuten, dass Auskunfteien wie die Schufa teilweise mit einem sogenannten Geoscoring arbeiten."Geoscoring ist Form des Algorithmus, der in den Score einfließt, allein dadurch, und zwar allein dadurch, dass man in einer Gegend wohnt, in der Menschen leben, die von ihrer Verdienststruktur etwas niedriger angesiedelt sind oder in der Nähe von sozialen Brennpunkten wohnen und dadurch eine negativerere Bewertung bekommen wie Menschen, die in einem Neubaugebiet zum Beispiel wohnen."

Die Schufa zum Beispiel bestreitet zwar, dass sie bei der Ermittlung der Kreditwürdigkeit von Bürgern Geoscoring standardmäßig einsetzt. Schuldnerberater Matthias Wafzig von der Verbraucherzentrale des Saarlandes hat da aber seine Zweifel. Es gebe immer wieder Fälle, bei denen es einen schlechteren Score gebe, obwohl nachweislich keine negativen Zahlungsdaten vorlägen. "Wir haben drei Fälle, die mir jetzt so spontan einfallen, da hat sich der Score nach Intervention verbessert. Wir können nicht nachvollziehen, warum er sich plötzlich verbessert hat", so Wafzig.

Vorsortierung von Bewerbungen

Algorithmen-basierte Entscheidungen, vom Computer ausgeführt, können auch dazu führen, dass man bei der Bewerbung auf eine neue Stelle eine schlechtere Chance hat. Immer mehr Unternehmen lassen nämlich Bewerbungen mit Hilfe von Computer-Algorithmen nach bestimmten Schlagwörtern voraussortieren – ohne dass je ein Personaler einen Blick drauf geworfen hätte.

Datenüberlassung bei Kfz-Versicherungen

Problematisch kann es auch werden, wenn wir Systemen, die mit Algorithmen arbeiten, zu viel von unseren Daten überlassen. So zum Beispiel bei so genannten Telematik-Angeboten von Kfz-Versicherern. Fahranfänger können Geld sparen, indem sie ihr Fahrverhalten messen lassen. Das Prinzip: Im Auto wird eine Blackbox eingebaut und wenn der Fahranfänger sich vorgegebne Regeln hält, hat er die Möglichkeit, bis Rabatt auf seinen Vertrag zu bekommen. Doch der Informatik-Experte Tobias Krafft von der TU Kaiserslautern warnt: Was zunächst als Vorteil erscheint, könnte irgendwann ins Negative umschlagen. Dann könnte es auf einmal heißen: "Wenn Sie nicht bereit sind, diese Daten zur Verfügung zu stellen, dann zahlen Sie einen deutlich höheren Beitrag", warnt Tobias Krafft.


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Die SR 3-Talk-Sendung "Aus dem Leben" mit dem Informatiker Tobias Krafft

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Am 31. Juli war Tobias Krafft zu Gast in „Aus dem Leben“. Der Informatiker ist Experte für automatische Entscheidungssysteme. Mit SR 3-Moderator Uwe Jäger hat er über Algorithmen, Big Data, Kreditvergabe und Routenfinder gesprochen. Einen Zusammenschnitt der Sendung gibt es als Podcast und in der Mediathek.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 02.08.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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