Schild: „Zentrale Ausländerbehörde Landesaufnahmestelle“ (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

Ärger zwischen freiwiligen Helfern und Einrichtungsleitung

Steffani Balle   10.05.2022 | 12:15 Uhr

In der Landesaufnahmestelle Lebach gibt es Ärger: Freiwillige Helferinnen und Helfer möchten gerne den Menschen zusätzliche Nahrungsmittel und Hygiene-Artikel bringen - dürfen diese aber nicht auf das Gelände bringen. Am 9. Mai kam es zu einem als klärend gedachten Gespräch mit Vertretern des Innenministeriums.

Der Ärger fange schon bei der Ankunft an, sagt Natalja. Die Menschen hätten große Angst, weil ihnen erst einmal die Pässe abgenommen würden. Die Information über die Abläufe bei Ankunft gibt es erst, wenn die Menschen in Lebach ankommen. Und das auch nur, wenn Dolmetscher vor Ort sind.

Audio

Ärger um Versorgung in der Landesaufnahmestelle Lebach
Audio [SR 3, Steffani Balle, 10.05.2022, Länge: 03:48 Min.]
Ärger um Versorgung in der Landesaufnahmestelle Lebach

Dolmetscher gab es zum Beginn des Ukraine-Krieges in großer Zahl. Das Engagement sei aber stark zurückgegangen, sagt der Leiter des Landesverwaltungsamts Arnold Sonntag.

Die aktuelle Situation in der Landesaufnahmestelle

Zurzeit seien in der Landesaufnahmestelle Menschen aus 40 Nationen untergebracht, so Sonntag. Auch seien die Ukrainer nicht mehr die größte Gruppe an Geflüchteten, die in der Landesaufnahmestelle ankommen.

Es sei aber die Gruppe, von denen es die meisten Beschwerden über die Versorgung gebe, sagt der Leiter der Einrichtung, Sascha Weidig. Es verstehe das nicht, sagt er. Niemand verhungere hier, jeder werde hier gleich behandelt.

Und während die Herren erklären, schüttelt Natalja immer wieder den Kopf. In der Praxis sei das nicht so, dass die Menschen alles bekämen, was sie brauchen, sagt sie. Und vielleicht hätte sich bislang auch niemand so beschwert wie die Ukrainer, weil Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea in Lebach kein entsprechendes Sprachrohr hätten.

Lebensmittelverteilung - nur am Rande des Geländes

Natalja bei der Ausgabe von Lebensmitteln am Rande der Landesaufnahmestelle (Foto: SR/Steffani Balle)

Natalja spricht nicht nur, sondern verteilt auch Lebensmittel. Von einem Tapeziertisch aus, am Rande des Landes eigenen Geländes. In einer dichten Traube stehen Frauen und Kinder, ein paar wenige Männer, um die Essensausgabe, greifen nach den geschenkten Bananen, Salatgurken, dem abgepackten Graubrot und der Schokolade. Jeden Tag, sagt Natalja, tun sie das.

Die Verteilung direkt an den Quarantäne-Häusern hat ihr die Einrichtungsleitung untersagt. Aus rechtlichen Gründen. Männer von außerhalb hätten sich auf dem Gelände herumgetrieben und Frauen angesprochen, Ehrenamtliche hätten Bunsenbrenner in der Zelthalle verteilt, so Sascha Weidig. "Aber wir haben die Verantwortung für die Leute." Deshalb sei es wichtig, den Überblick darüber zu behalten, was auf dem Gelände passiere. Es könnten ja Menschen, die es nicht so gut mit den Geflüchteten meinen, möglicherweise verdorbenes oder vergiftetes Essen verteilen. Deshalb müsse sich auch Natalja an die Vorschriften halten, obwohl sie inzwischen jeder vor Ort kennt.

Verstehen kann Natalja das nicht. Eben weil man sie kenne, könne man ihr doch vertrauen.

Die Fronten sind verhärtet

Genau dieses Vertrauen aber habe sie verspielt, sagt Arnold Sonntag. Mit Posts in Sozialen Medien, in denen der Leiter der Aufnahmestelle namentlich regelrecht an den Pranger gestellt werde, könne man kein Vertrauen gewinnen, so Sonntag.

Die Fronten sind verhärtet. Vorschriften hier, Unverständnis da. Engagement auf allen Seiten, aber eine Verständigung zugunsten der Menschen, die man doch eigentlich schützen und versorgen möchte, scheint nicht in Sicht.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 10.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja