Ein Handwerker bringt Dämm-Material an einer Hausfassade an. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann)

Bremsen die gesunkenen Fördersätze die energetische Sanierung aus?

Jan Henrich   01.08.2022 | 16:30 Uhr

Wer sein Haus energetisch saniert - beispielsweise eine neue Wärmedämmung anbringen lässt - der kann dafür eine Förderung beantragen. Die entsprechenden Programme gibt es schon länger. Letzte Woche hat das Bundeswirtschaftsministerium jedoch überraschend die Regel für die Förderprogramme geändert. Das sorgt für einige Kritik.

Mit Umbauten an den eigenen vier Wänden Energie sparen und mehr fürs Klima tun - das wird belohnt, und zwar mit der sogenannten Bundesförderung für effiziente Gebäude. Je nach Vorhaben als Zuschuss- und Kreditvariante. "Das heißt: Alle Maßnahmen, mit denen ich Energie einsparen kann im Gebäude", so Gerold Happ vom Verein Haus und Grund.

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Bremsen die gesunkenen Fördersätze die energetische Sanierung aus?
Audio [SR 3, Jan Henrich , 01.08.2022, Länge: 02:53 Min.]
Bremsen die gesunkenen Fördersätze die energetische Sanierung aus?

Gefördert werden können Maßnahmen wie eine Komplettsanierung, aber auch Einzelmaßnahmen wie beispielsweise der Heizungsaustausch oder der Austausch von alten Fenstern mit Energieeffizienten Fenstern. Auch wer ein neues, energiesparendes Haus baut, kann Geld vom Staat bekommen. Doch die Mittel für die Förderung sind begrenzt.

Anfang des Jahres musste das Programm schon teilweise gestoppt werden. Die im Haushalt eingestellten Töpfe waren dem Ansturm schlicht nicht gewachsen, wie Wirtschaftsminister Robert Habeck damals feststellte.

Robert Habeck: "Ich weiß, dass wir mit der Entscheidung, die KfW Förderung auszusetzen, Unmut und Enttäuschung ausgelöst haben und das tut mir wirklich weh für viele Menschen. Gleichwohl will ich betonen, dass diese Entscheidung notwendig war, weil die haushälterischen Mittel für die Fortsetzung des Programms in der Höhe nicht mehr da waren.

Förderschwerpunkt: Sanierung statt Neubau

Genau dieser Situation wollte man entgegensteuern, hatte im April schon Anpassungen vorgenommen. In der letzten Juliwoche kam dann überraschend die umfassende Reform. Der Förder-Fokus liegt künftig nun weniger beim Neubau, sondern bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden. Zwölf bis 13 Milliarden Euro sind dafür eingeplant. Mehr als bisher.

Gesunkene Fördersätze, mehr Nutzer

Allerdings: Der Umstieg auf effiziente Gasheizungen wird vollständig aus dem Programm ausgenommen. Und die einzelnen Fördersätze sinken deutlich. Wer beim Austausch alter Fenster vorher mit einem Fördersatz von bis zu 25 Prozent rechnen konnte, wird nach den neuen Regeln nur noch maximal 20 Prozent der Kosten ersetze bekommen.

Die Logik dahinter: Jeder Einzelne bekomme etwas weniger, damit mehr Hauseigentümer die Unterstützung abgreifen können.

Niedrigere Sätze könnten Maßnahmen ganz kippen

Doch genau das könnte nach hinten losgehen, wie Gerold Happ erklärt. "Handwerkerkosten sind teurer. Die Anlagen selber sind auch teurer. Gleichzeitig werden die Fördersätze runtergesetzt, das heißt, ich bekomme eine geringere Förderung." Damit stelle sich die Frage, ob Bauherrn die ursprünglich geplante Maßnahme überhaupt noch finanzieren können.

Änderung zu kurzfristig

Und das ist nicht der einzige Kritikpunkt, wie der Verband der Gebäude-Energieberater im Saarland mitteilt. Teile der neuen Regeln waren letzte Woche schon einen Tag nach Ankündigung in Kraft getreten.

Die neuen Förderregeln für die Sanierung von Einzelmaßnahmen gelten ab Mitte August. Das sei zu kurzfristig. Planungssicherheit gehe verloren. Und gerade die brauche es, um Großaufgaben wie die Energiewende zu meistern, so der Verband.


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Interview: Anja Diehl, Gebäudeenergieberater Saarland e.V.
"Das Problem ist die Kurzfristigkeit"
Als Gebäudeenergieberater sei man derzeit nur noch am "Brände löschen", sagt Anja Diehl vom Verein Gebäudeenergieberater Saarland e.V. Die kurzfristigen Änderungen bei der Förderung bringe für viele Bauherrn Probleme. Das ursprünglich maßgeschneiderte Konzept aus energetischem Sanierungsziel, Planung und Finanzen funktioniere plötzlich nicht mehr.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 01.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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