Freie Fahrt auf dem leeren St. Johanner Markt in der Abendsonne (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

ADFC fordert mehr Radkompetenz

  15.07.2020 | 12:45 Uhr

Corona hat viele aufs Fahrrad gebracht. Radeln – auch auf dem Weg zur Arbeit – ist so „in“ wie nie. Gleichzeitig gibt es vom Bund 1,45 Milliarden Euro zum Ausbau des Radwegenetzes. Da kann man, wenn man es kann, Hunderttausende Euro Förderung einstreichen. Doch in den Rathäusern fehlt die Kompetenz – meint der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC).

Thomas Fläschner, ADFC-Landessprecher im Saarland, begrüßt die Förderung. „Viele saarländische Kommunen leiden unter Finanzknappheit, und jetzt winken hier dicke Geldtöpfe.“ Aber in den Kommunen sei sehr viel Personal abgebaut wurde, auch in den Verkehrsabteilungen. „Da muss kompetentes Personal her, damit richtige Förderanträge gestellt werden können. Nur wer gute Anträge stellt, bekommt auch Geld.“

Hauptberufliche Fahrradbeauftragte

In den Rathäusern fehlen Radprofis
Audio [SR 3, Gerd Heger, 15.07.2020, Länge: 03:32 Min.]
In den Rathäusern fehlen Radprofis

Kommunale Fahrradbeauftragte wären also die Lösung – Leute, die sich auskennen, um an die Fördergelder zu kommen. Im Regionalverband Saarbrücken etwa gibt es einen solchen Beauftragten derzeit nicht. Die entsprechende Stelle ist unbesetzt, obwohl der Umweltdezernent ein passionierter Radfahrer und Grüner ist.

Nebenher lasse sich solch eine Aufgabe zumindest in einer Stadt wie Saarbrücken nicht erledigen, so Fläschner. „In kleineren Kommunen ist natürlich alles ein bisschen überschaubarer. Da können das schon mal Leute machen, die jetzt vielleicht kein Vollzeit-Radverkehrsbeauftragter sind. Aber da muss schon Kompetenz her.“

Anträge schon jetzt stellen

Fläschner lobte das Engagement in den Kommunen. „Aber eine richtige Planung zu machen, das ist nochmal eine andere Hausnummer.“ Viele saarländische Kommunen ließen derzeit Konzepte erstellen, diese seien aber noch lange nicht fertig. Gleichwohl betreibe jede Kommune dauerhaft Verkehrsplanung. Deswegen müssten die Anträge unabhängig von Konzepten schon jetzt gestellt werden.

Aufträge könnten die Kommunen Fläschner zufolge auch an Planungsbüros vergeben. Diese seien aber auch „ziemlich ausgelastet“. „Wir wünschen uns, dass es auf Landesebene eine gute Beratungsinstanz gibt, die den Kommunen da unter die Arme greift.“

Fläschner sieht große Lücken

Touristisch macht das Saarland als Radwanderland Werbung. Aber im „Alltagsradverkehr“ innerorts müsse noch sehr viel geschehen, meint Fläschner. „Da haben wir noch sehr, sehr große Lücken. Da müssen noch Abstellanlagen her und so weiter. Da ist noch großer Handlungsbedarf.“

Linktipp

Nationaler Radverkehrsplan

Deutsches Institut für Urbanistik

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